Dieser Sommer - Nenyas World


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Dieser Sommer
Ich saß in den Dünen und blickte aufs Meer hinaus. Das Strandgras flüsterte neben mir im Wind und die Mulde, wo ich mich befand, strahlte noch die Wärme der Sonne ab, die sich heute Vormittag hatte blicken lassen. Ein plötzlicher Windstoß fegte mir die Haare ins Gesicht und ich hob die Hand um sie wieder fort zu schieben.
Der Wind brachte einen sommerlichen Hauch mit sich, obwohl die ziehenden Wolken am Himmel nicht den Eindruck von einem Junitag vermittelten. Das Geräusch der rollenden Wellen drang an mein Ohr und der Geruch des Salzes hatte sich schon auf meiner Zunge eingebrannt. Ich genoss die Stille, die nur ab und zu von den Möwen oder ein paar mutigen Spaziergängern unten am Strand gestört wurde. Es tat gut einmal von meinen Freunden zu fliehen, die jetzt wahrscheinlich irgendein idiotisches Spiel spielten um sich die Zeit zu vertreiben.

Ich hätte mir gern etwas Gesellschaft gewünscht, aber, gestand ich mir ein, dann hätte ich wahrscheinlich keine Ruhe gefunden. Das Rauschen der Wellen und das Flüstern des Windes waren Balsam für meine geschundenen Nerven, die in der letzten Woche doch stark strapaziert worden waren. Langsam ließ ich mich zu Boden sinken und betrachtete, die sich jagenden Wolken über mir. Ich bereute nicht mit meinen fünf Freunden in den Urlaub gefahren zu sein, da ich viele von ihnen schon lange nicht mehr gesehen hatte, doch das relativ kühle Wetter und die Regenschauer hatten uns oft gezwungen im Haus zu bleiben, was mir nicht viele abgeschiedene Momente beschert hatte.

Lange Zeit mit vielen Leuten so dicht beieinander zu hocken, war für mich nicht so leicht, da ich doch eher der einzelgängerische Typ war und ich einfach meinen Freiraum und meine Momente nur für mich brauchte. So wie diesen Augenblick, in dem ich einfach nur in den Dünen lag, meine Gedanken von den Wolken mitreißen ließ und mich meinen Tagträumen hingab.
 
Nach einer Zeit setzte ich mich wieder auf um das Meer zu beobachten und zu sehen wie die Wellen auf dem Strand tanzten. Ich saß ziemlich versteckt in meiner Mulde, da ich hinter mir eine hohe Düne hatte und mich zum Strand hin das Seegras verbarg. Diese Stelle hatte ich bei einer meiner Erkundungen entdeckt, als ich kurzfristig aus unserem Ferienhaus geflüchtet war. Die Stelle war nicht weit entfernt, doch weit genug um meine Ruhe zu haben. Ich rieb mir fröstelnd mit den Händen über meine nackten Arme als eine kühle Brise darüber strich. Meine nackten Zehen hatte ich im Sand vergraben, der von der Sonne erwärmt worden war, die ab und zu mal durch die Wolkendecke lugte.
Meine Freunde hatten sich einen Badeurlaub gewünscht und wollten eigentlich den ganzen Tag im Meer planschen und in der Sonne liegen, doch wenn schon die kleinste Wolke am Himmel erschien oder der Wind ein wenig auffrischte, gingen sie ins Haus oder fuhren in die Stadt um einen Einkaufsbummel zu machen. Mir machte das nichts aus, denn das Meer war bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit schön, naja außer vielleicht bei einem Sturm, der einen vor sich herwirbelte.
Ich wandte mich der Betrachtung der Spaziergänger zu und musste über die mutigen Badenden grinsen, denen das nur 20 Grad warme Wasser nichts auszumachen schien. Erschrocken fuhr ich zusammen als ich ein Bellen in der nähe von mir hörte und plötzlich ein Hund aus dem Gras auftauchte. Er sah mich hechelnd an und ich streckte ihm meine Hand hin, damit er daran schnüffeln konnte. Lächelnd strich ich ihm über den Kopf, als er sich neben mich in den Sand fallen ließ und eine Schwalbe beobachtete, die in halsbrecherischer Geschwindigkeit über den Strand sauste.
„Na, wo gehörst du wohl hin?“ fragte ich den Hund, während ich ihn unterm Kinn kraulte, erhielt aber nur ein Schwanzwedeln als Antwort. „Dann kommt mit“, sagte ich, stand auf und klopfte mir den Sand von meinem Rock. „Wir suchen dein Herrchen.“ Dagegen hatte der Hund nichts einzuwenden und sprang vor mir zum Meer hinunter um sich dann in die Wellen zu stürzen. Lachend stand ich am Strand und hielt mir die Hände vors Gesicht, als er zurück kam und sich dabei kräftig das Wasser aus dem Fell schüttelte. Ich strich ihm über den Kopf und gemeinsam gingen wir am Strand entlang, wobei ich meine Füße vom Wasser umströmen ließ. Bei jedem Schritt hatte ich das Gefühl ein Stück aufs Meer hinausgezogen zu werden, als ob ich einem stillen Ruf folgen würde.
 Mein Blick wanderte über den Strand vor mir und ich entdeckte einen jungen Mann, der in meine Richtung ging. Fröhlich bellend lief der Hund ihm entgegen, also blieb ich stehen und blickte nur zu ihnen hinüber. Das Herrchen war gefunden und mehr hatte ich nicht zu tun. Ich wollte mich schon umdrehen und wieder weggehen als mir jemand hinterher rief.

Mich wieder umdrehend, sah ich wie der Mann mit dem Hund auf mich zukam. Mein Blick fiel auf seine Füße und ich sah, dass er ebenfalls barfuss war. Dann stand er vor mir und ich konnte meine Augen nicht von ihm lassen, denn ich hatte noch nie jemanden wie ihn gesehen. Sein Anblick raubte mir den Atem und ich konnte nichts dagegen tun ihn anzustarren. Es war nicht sein Aussehen was mich so anzog, obwohl er wirklich sehr gut aussah, nein er strahlte etwas aus, das ich nicht beschreiben konnte, doch es ließ mein Herz schneller schlagen.

Als ich ihm in die Augen blickte, sah ich dort das gleiche was auch in mir vorging und erstaunt öffnete ich meinen Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder, weil ich nicht wusste was ich sagen wollte. Unter diesem Blick fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich schön. Sicher, ich wusste, dass ich nicht schlecht aussah, doch ich hatte mich nie selbst für schön gehalten, was sich in der Nähe dieses Mannes schlagartig änderte.

Das Bellen des Hundes, der um uns herum lief, ließ uns aus unserer Trance schrecken und er streckte mir die Hand entgegen. „Ich bin Tom“, sagte er und seine volltönende Stimme schickte einen Schauer über meinen Rücken. Ich ergriff seine Hand und hatte das Gefühl ein Schlag würde mich treffen, doch ich senkte meine Augen nicht um nachzusehen ob es wirklich so war. „Ich bin Sarah“, hörte ich meine Stimme sagen und schüttelte ihm dabei lächelnd die Hand.

Er lud mich ein mit ihm spazieren zu gehen und ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten sagte ich zu. Wir unterhielten uns über alle möglichen Dinge als wir zusammen am Wasser entlang gingen, doch an das meiste davon konnte ich mich schon kurze Zeit später nicht mehr erinnern. Ich war einfach zu sehr von Toms Gegenwart verzaubert und ihm schien es ebenso zu gehen. Wann es passierte weiß ich nicht mehr genau, aber nach einiger Zeit ergriff er einfach meine Hand und ich entzog sie ihm nicht, weil es sich einfach nur richtig anfühlte, als wäre meine Hand für seine gemacht.

Wie spät es schon geworden war, bemerkte ich erst, als eine Gänsehaut sich über meine Arme ausbreitete und meine Füße langsam kalt wurden. Ich verabschiedete mich von Tom ohne zu wissen ob ich ihn noch einmal wieder sehen würde. Meine Freunde hatten mich noch nicht vermisst, wie ich feststellte, als ich wieder zu unserem Ferienhaus kam, aber dafür stellte ich erfreut fest, dass das Essen schon auf dem Tisch stand. Ich hatte gar nicht bemerkt wie hungrig ich durch den Spaziergang geworden war.

Beim Essen war ich mit meinen Gedanken nicht ganz anwesend, da ich immer noch an Tom denken musste, doch nachher wurde meine Aufmerksamkeit vollkommen vom Spiel Twister vereinnahmt. Wir lachten viel und hatten Spaß, vor allem wenn wir bei unseren seltsamen Verrenkungen übereinander krachten. Erschöpft und mit ein paar blauen Flecken mehr, ging ich ins Bett. An meine Träume konnte ich mich nach dieser Nacht nicht mehr genau erinnern, doch ein Hund und Tom kamen darin vor.
 

Am nächsten Tag fuhr ich mit meinen Freunden in die Stadt, da wir einkaufen mussten und uns dort noch ein wenig umsehen wollten. Tom schwebte seit dem vorigen Tag immer in meinem Hinterkopf herum und beherrschte mein Denken. Der Stadtbummel lenkte mich ab und doch hatte ich das Gefühl ihn überall zu sehen, wenn auch immer nur aus dem Augenwinkel und das fröhliche Bellen seines Hundes zu hören. Ich schalt mich eine Närrin, da das einfach nicht sein konnte und so schob ich diese Gedanken von mir und genoss den sonnigen Tag, den wir in einem Café ausklingen ließen.

Es wurde schon langsam dunkel, aber ich ging doch noch einmal zum Strand hinunter und wollte meinen Augen nicht trauen. Vor mir stand Tom als hätte er den ganzen Tag nichts anderes getan als auf mich zu warten. Ich lächelte ihn an, brachte aber kein Wort heraus und auch er sagte nichts, griff nur nach meiner Hand und zog mich zum Wasser. Lachend liefen wir durch die Brandung und wurden dabei von seinem Hund umsprungen. Nach einiger Zeit ließen wir uns erschöpft in den Sand fallen und der Wind vom Meer kühlte mein heißes Gesicht. Tom schlang den Arm um meine Schulter und ich lehnte mich seufzend an ihn, seine Nähe genießend. Der Hund spendete mir von der anderen Seite Wärme und wir beobachteten, wie der Mond über den Horizont stieg und die letzten Strahlen der Sonne ihn zu erleuchten schienen.

Wir redeten nicht sehr viel, doch das was Tom über sich erzählte, verstärkte nur noch den Eindruck, den ich von ihm schon hatte. „Ich habe so etwas noch nie gefühlt“, gestand ich ihm. Ich konnte mir diese Gefühle, die so einfach für ihn aufgetaucht waren, nicht erklären. „Ich auch nicht“, sagte er und sah mir in die Augen. Er beugte sich zu mir hinüber und küsste mich zart auf den Mund. Zuerst war ich erstaunt, doch dann erwiderte ich den Kuss und wusste einfach, dass es richtig war.

Tom brachte mich noch bis zu unserem Gartentor und seine Blicke und sein Abschiedskuss versprachen mir, dass wir uns morgen wieder sehen würden. Wie auf Wolken schwebend betrat ich das Haus, denn ich hatte erst jetzt bemerkt, wie hungrig ich doch geworden war. Den anderen erzählte ich nichts von Tom, weswegen wusste ich nicht, doch ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen. Morgen sollte das Wetter wohl besser werden und meine Freunde beschlossen baden zu gehen oder sich zumindest am Strand zu sonnen, wenn ihnen das Wasser zu kalt ist, dachte ich grinsend bei mir.
 

Das Wetter war tatsächlich herrlich und ich ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen, wobei dieser meistens von einer Lage Stoff bedeckt war. Ich war nicht ein so fanatischer Sonnenanbeter wie die anderen, da ich schon genug Erfahrungen mit Sonnenbrand gemacht hatte und wusste, dass ich auch in der prallen Sonne nie richtig braun werden würde. Bei mir traten nur immer die Sommersprossen stärker hervor, sobald die Sonne meine Haut kitzelte. Ein gutes Buch in der Hand lag ich auf dem Bauch auf meinem Handtuch und blickte über den Buchrand zu meinen Freunden hinüber. Ein paar von ihnen lagen neben mir im Sand, aber der Rest hatte sich zum Wasser vorgewagt und planschte nun vergnügt darin herum, wobei sie aber wohl nur bis zur Taille im Meer standen.

Als ich ein vertrautes Bellen hörte, blickte ich unter meinem Sonnenhut hervor und erblickte den Hund, der schwanzwedelnd auf mich zukam. Lachend stand ich auf und streichelte ihm den Kopf, woraufhin er sich umdrehte und ein Stück fort lief. Meine Freunde hatten noch nicht mal aufgesehen und so raffte ich meine wenigen Sachen zusammen und lief dem Hund hinterher. Tom entdeckte mich schon aus der Ferne und lief mir entgegen.

Noch bevor ich meine Sachen fallen gelassen hatte, umarmte er mich und wirbelte mich dann lachend durch die Luft. Ebenfalls lachend musste ich mich kurz an ihn lehnen um zu verschnaufen, als er mich wieder auf den Boden stellte. Wir suchten uns eine Mulde in den Dünen, in der uns nicht jeder gleich sehen konnte und breiteten unser Handtücher aus um uns darauf zu legen. Ich dachte daran Tom meinen Freunden vorzustellen, aber unsere gemeinsamen Momente kamen mir zu kostbar vor um sie mit anderen zu teilen. Mein Urlaub würde bald zu Ende sein und ich wusste einfach, dass wir danach erst einmal getrennte Wege gehen würden.

Tom streckte die Arme nach mir aus und ich bettete meinen Kopf auf seine Schulter. Er schloss mich in die Arme und hielt mich fest als ob er mich nicht mehr loslassen wollte. Wir betrachteten die über uns ziehenden Wolken, machten uns einen Spaß daraus Formen in ihnen zuerkennen und erfreuten uns einfach an der Nähe des anderen.

„Bist du wirklich echt oder nur ein Traum?“ fragte Tom mich plötzlich und ich blickte ihm lächelnd in die Augen. „Ich bin echt, aber bist du es?“ fragte ich zurück und kniff ihn spielerisch in den Arm. Ein kurzes Gerangel entstand und ich fand mich unter ihm liegend wieder, doch es machte mir nichts aus. Sonst war ich nicht jemand, der sich unbedingt gerne von anderen Leuten berühren ließ, doch von Toms Berührungen konnte ich nicht genug bekommen und so neigte ich ihm meinen Kopf für einen Kuss entgegen, den er mir auch bereitwillig gab.

Er drehte sich auf die Seite und ich kuschelte mich wieder an ihn. Der Hund kam hechelnd zu uns gelaufen und ließ sich für eine kleine Ruhepause in den Sand fallen, nachdem er sich das Wasser aus dem Fell geschüttelt hatte. Ich merke wie Toms Atemzüge tiefer wurden und lächelte leicht als er mich in seinen Armen haltend einschlief. Mein Rücken lehnte an seiner Brust und ich konnte seinen Körper an meinem spüren. Ich griff mir mein Buch und fing wieder an zu lesen, wobei ich mich sicher und geborgen fühlte.
 
Mein Magenknurren sagte mir, dass es mittlerweile schon um die Mittagszeit sein musste, was mir die gelesenen Seiten meines Buches auch bestätigten. Vorsichtig drehte ich mich um und blickte in Toms offene Augen. Ich hatte vorher noch nicht bemerkt, dass seine Augenfarbe sich wie das Meer verändern konnte und zwischen einem strahlenden Blau bis zum stürmischen Blaugrün wechseln konnte. Er hatte mein Magenknurren wohl bemerkt, denn er stand auf und zog mich ebenfalls auf die Beine. Wir sammelten unsere Sachen ein und gingen Hand in Hand durch die Dünen wobei uns der Hund fröhlich Bellend umsprang. Ich wusste nicht wo Tom hin wollte und so ließ ich mich einfach von ihm leiten.
Er brachte mich zu seinem Ferienhaus und setzte mich an den Küchentisch, während er begann das Mittagessen vorzubereiten. Von einem Mann der kochen konnte war ich beeindruckt, vor allem da meine Kochkünste wegen wenig Praxiserfahrung doch etwas zu wünschen ließen. Ich sah mich ein wenig um und erkannte die typische Ferienhausausstattung, die jedoch von einigen von Toms persönlichen Dingen aufgelockert wurde. Der Hund hatte sich in seinen Korb verzogen und verfolgte mit seinen Augen genau was wir taten. Er hoffte wohl ebenfalls auf sein Mittagessen.

Das Essen schmeckte einfach köstlich. Tom winkte bescheiden ab, als ich ihm dieses auch sagte und lächelte mich nur glücklich an. Wir aßen schweigend und blickten uns immer wieder über den Tisch hinüber an. Als wir beim Nachtisch angekommen waren –Erdbeeren mit Schlagsahne- hielt es Tom nicht mehr auf seinem Platz und er kam um den Tisch herum auf mich zu. „Du hast da…“, begann er, überlegte es sich aber anders und küsste mir die Sahne einfach vom Kinn weg. Ich lächelte ihn an und schob ihm ein Erdbeere in den Mund, als er mich wieder küssen wollte. Zuerst sah er mich erstaunt an, begann dann aber zu kauen und schluckte die Frucht herunter. Nun begannen wir uns gegenseitig mit Erdbeeren zu füttern, wobei wir feststellten, dass der Hund eine ausgeprägte Vorliebe für Schlagsahne hatte. Danach saßen wir mit vollem Magen auf der Terrasse und ich musste wohl eingeschlafen sein, denn als ich wieder aufwachte war die Sonne schon wesentlich weiter gewandert. Tom hatte die ganze Zeit neben mir gesessen und meinen Schlaf bewacht. Er war genauso froh wie ich einfach die Gegenwart des anderen zu spüren.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es wirklich schon spät geworden war und ich wieder zurück musste. Meine Freunde hatten noch nie nachgefragt wo ich immer gewesen war und ich war ihnen sehr dankbar dafür, doch ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machten. Tom brachte mich zurück und ich konnte ihm ansehen, dass es ihm sehr schwer fiel meine Hand los zulassen, aber mir ging es genauso. Er küsste mich zart auf die Lippen und verschwand dann in der beginnenden Dämmerung.
 

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, wurde mir klar wie wenig Zeit ich nur noch mit Tom hatte. Ich beschloss diese gut zu nutzen und war schon am Strand, bevor die anderen überhaupt aus den Betten gekrochen waren, denn ich hatte das Gefühl, dass Tom dort sein würde. Das Frühstück hatte ich mir mitgenommen und ich ließ mich auf einer Bank in den Dünen nieder um die Stille und die Wärme auf meinem Rücken zu genießen.

Ich spürte ihn, bevor ich ihn sehen konnte. Stumm setzte Tom sich neben mich, schlang einen Arm um meine Schulter und nahm einen geschmierten Toast von mir entgegen. Auch der Hund war heute überraschend still, als wir schweigend an unseren Broten kauten. „Es ist nicht mehr viel Zeit“, hörte ich Tom zwischen zwei Bissen flüstern und der Kloß in meinem Hals erlaubte es mir nur zu Nicken. Als wir mit essen fertig waren, lag eine seltsame Spannung in der Luft, die sich plötzlich entlud, als Tom sich zu mir drehte und meine Hände in seine nahm.

„Ich werde bald heiraten“, schoss es aus ihm hervor und ich konnte sehen, dass er erleichtert war es endlich losgeworden zu sein. „Aber das mit dir war kein letztes Abenteuer vor der Ehe“, fügte er noch schnell hinzu und wollte noch mehr sagen doch ich unterbrach ihn sanft. „Ich weiß“, murmelte ich und beugte mich vor um ihn zu küssen. Tom wusste was ich ihm damit sagen wollte, denn auch ich war von diesen Gefühlen einfach so überrascht worden. Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen uns gewesen und das konnte durch nichts mehr geändert werden.
 
„Meine Verlobte ist toll, ich mag sie sehr gerne, aber es ist nicht so wie mit dir“, erklärte er etwas hilflos und ich sah Tränen in seinen Augen glänzen. Auch mir kamen die Tränen und ich strich ihm sanft über das Gesicht. Tom legte meine Hand an sein Gesicht und schloss für einen Moment die Augen. „Mein Vater wollte, dass ich sie heirate. Er meinte es wäre eine gute Verbindung, auch für die Firma und so habe ich zugestimmt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach den vielen Enttäuschungen doch noch die wahre Liebe finden würde.“ Ich sah ihn traurig an. „Du wirst sie heiraten nicht wahr? Du musst es tun.“ Er nickte und verbarg dann sein Gesicht, weil die Tränen zu fließen begannen. Ich strich ihm leicht über den Rücken und spürte seine Schluchzer in meinem Körper.
Nach einiger Zeit hatte er sich wieder beruhigt und ich reichte ihm ein Taschentuch, damit er sich die Nase putzen konnte. Der Hund lief zu ihm, legte seinen Kopf auf sein Bein und sah ihn aus großen Augen an. Tom strich ihm über den Kopf und seufzte leise. Im Moment gab es nichts mehr zu sagen und so standen wir auf und gingen Hand in Hand am Strand entlang, wobei jeder seinen eigenen Gedanken nachhing, aber dem anderen doch so nah war. Still beschlossen wir unser geführtes Gespräch für unsere restlichen Tage miteinander zu vergessen und die Zeit zu genießen bis uns die Wirklichkeit wieder einholte.
 

Die Zeit verging nur so im Flug und die Tage schmolzen dahin. Manchmal dachte ich, ich würde in einem Traum wandeln, weil alles so perfekt war, doch da waren immer noch diese Gedanken in meinem Hinterkopf, die an mir nagten. Der Gedanke daran, dass er eine andere heiraten würde machten mich fast wahnsinnig, doch ich kannte Tom jetzt gut genug um zu wissen, dass er ein ausgeprägtes Ehrgefühl hatte und ein Versprechen nicht brechen konnte. Ich wusste, dass der Schmerz kommen würde, doch ich wollte ihn jetzt noch nicht zulassen und mir damit die kostbare Zeit mit ihm verderben.

Es war einfach wunderbar. Wir unterhielten uns stundenlang, gingen am Strand spazieren und Tom kochte für uns. Keine Minute verging in der er mich nicht küssen oder berühren wollte, doch weiter gingen wir nie, da wir wussten, dass wir dann nicht mehr zurück gekonnt hätten. Es war eine ruhige Zeit, die ohne viel Aufregung verging. Meine Freunde beklagten sich manchmal scherzhaft darüber, dass ich sie vernachlässigen würde, doch sie hielten mich nicht auf, wofür ich ihnen sehr dankbar war.

Irgendwie kam ich mir viel erwachsener vor als vorher. Vielleicht lag es daran, dass ich das erste Mal wirklich für jemanden da war und dieser jemand auch für mich. Ich konnte dieses Gefühl einfach nicht näher beschreiben so oft ich es auch versucht habe. Tom hatte eine Saite in mir zum Klingen gebracht, die vorher noch nie jemand berührt hatte und ich fühlte mich einfach anders.
 

Dann war er da, der grauenvolle Tag des Abschieds. Wir trafen uns ein letztes Mal in aller Frühe unten am Strand. Meine Sachen waren schon alle gepackt, damit ich noch genug Zeit hatte um mich von Tom zu verabschieden. Dort stand er und sah gedankenverloren aufs Meer hinaus, doch der Hund bemerkte mein Kommen und lief bellend zu mir herüber.

Lächelnd beugte ich mich zu ihm hinunter und streichelte seinen Kopf, wobei ich seine Zunge abwehrte, die mein Gesicht abschlecken wollte. Als ich wieder aufblickte, stand Tom neben mir und schloss mich so fest in die Arme als ob er mich nicht mehr loslassen wollte. Ich klammerte mich ebenfalls an ihn und konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken, obwohl ich mir geschworen hatte nicht zu weinen. Dann tat ich es doch, ließ meinen Tränen freien Lauf und hielt mich schluchzend an Tom fest. Ich konnte spüren wie auch sein Körper bebte und hatte das Gefühl mein Haar würde von seinen Tränen nass werden, doch dessen war ich mir auch nachher nie sicher.

Ohne uns loszulassen setzten wir uns auf den Sand und versuchten uns wieder zu beruhigen. Der wind trocknete die Tränen auf meinem Gesicht und das Wetter hatte sich unserer Stimmung angepasst. Der Himmel zeigte sich in einem stürmischen Grau und ein starker Wind peitschte die Wellen auf. Da ich meine Jacke vergessen hatte, begann ich leicht zu zittern, doch Tom war da um mich zu wärmen. Ein letztes Mal schwelgten wir in der Nähe des anderen, nahmen dessen Geruch auf und versuchten uns sein Gesicht so gut wie möglich einzuprägen.

Nach einer Ewigkeit, wie es schien, sah Tom mich ernst an. „Wirst du den Hund mitnehmen?“ fragte er mich leise. „Wieso?“ erwiderte ich erstaunt, denn ich wusste wie viel ihm der Hund bedeutete. „Meine Verlobte ist allergisch auf Hunde und ich will, dass ihn jemand bekommt, den er mag und der sich gut um ihn kümmern wird. Ich kenne niemand besseren als dich dafür.“ Gerührt nickte ich und drückte den Hund an mich. Wie ich nun sah hatte Tom die ganzen Sachen des Hundes mitgebracht und mir alle nötigen Dinge, die ich wissen musste, aufgeschrieben. „Wie heißt er eigentlich?“ Mir war gerade aufgefallen, dass ich Tom nie danach gefragt hatte. „Er heißt Einstein.“ „Hallo Einstein“, murmelte ich und drückte den Hund an mich.

Wir wussten beide, dass die Zeit nun gekommen war sich zu verabschieden. Wir standen uns am Strand gegenüber und blickten uns an. Ich umarmte Tom und drückte ihm einen letzten Kuss auf die Lippen, der unsere Gefühle nur allzu deutlich machte. Wir lösten uns voneinander und hielten uns doch noch an den Händen. „Wenn das Schicksal es will, werden wir uns wieder sehen“, sagte Tom und ich wusste, wie sehr er sich das wünschte, weil ich es auch tat. „Ich werde nach dir Ausschau halten. Vergiss mich nicht“, rief ich schon fast, da sich nur noch unsere Fingerspitzen berührten. Ein letztes Mal drehte er sich zu mir um und ich sah die Liebe in seinem Blick. „Das werde ich nicht.“

Damit ging er von mir fort und ich stand dort und konnte mich nicht rühren. Einstein saß ganz still neben mir. Er schien genau zu wissen, was passiert war und versuchte erst gar nicht Tom hinterher zu laufen. Nach einer Zeit winselte er leise und ich erwachte aus meiner Starre. Ich drehte mich um und ging zurück zu meinen Freunden.

Und so endete dieser Sommer in dem ich Tom traf und in ihm meine große Liebe entdeckte. Einstein vertrieb mir den größten Kummer, den ich wegen der Trennung von Tom empfand, doch manchmal überkamen mich doch trübsinnige Momente. Doch dann erinnerte ich mich immer wieder an Toms Worte und seine Gesten und fühlte mich wieder besser.
Wenn das Schicksal es will, werden wir uns irgendwann wieder sehen.           
Chatbox
bullet Admin
19 Nov : 13:44
Ich wünsche allen viel Spaß auf meiner Seite.
bullet roadnet
27 Sep : 23:55
Viel Spaß mit der neuen Homepage, wünscht das roadnet.de Team
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