Schicksal - Nenyas World


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(Mitglieder: 0, Gäste: 113) am 23 May : 21:46

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Schicksal
Fortsetzung von Dieser Sommer

Ich saß im Garten und wischte mir über die feuchte Stirn. Das Haar klebte mir im Nacken und die Eiswürfel in meinem Glas waren schon längst geschmolzen. Die Mittagshitze staute sich unter der Pergola und das kühle Lüftchen, das eben noch wehte, hatte sich auch zurückgezogen. Die Vögel piepsten nur verschlafen in dem großen Apfelbaum, unter dem ich saß.
Einstein räkelte sich zu meinen Füßen unter dem Tisch und versuchte sich durch Hecheln Abkühlung zu verschaffen, was ihm anscheinend nicht sehr gut gelang. Seufzend lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und streckte die Hände über meinen Kopf um meine verkrampften Schultern zu lockern. Ich blickte auf den Bildschirm meines Computers und seufzte erneut. Der Abgabetermin meines Buches rückte immer näher und ich war noch immer nicht viel weiter gekommen als vor einer Woche.

Ich schloss die Augen und wurde in einen anderen Sommer versetzt, einen Sommer am Meer, den ich mit Tom verbracht hatte. Die Erinnerung daran gab mir wieder neue Kraft und ich wandte den Blick erneut auf meinen Computerbildschirm. Plötzlich flossen die Worte nur so aus mir heraus und die Seiten füllten sich mit einer Geschichte, die ich nicht mehr aus meinem Kopf verdrängen, einem Mann, den ich nicht mehr vergessen konnte. Einstein stupste mich mit seiner Nase an und erinnerte mich daran, dass es Zeit fürs Mittagessen geworden war.
 
Zusammen gingen wir ins Haus und ich betrachtete den Hund beim Fressen, konnte mich aber nicht dazu durchringen mir selbst etwas zu kochen. Im Kühlschrank fand ich noch eine Schale Salat vom vorherigen Abend, die ich nun verspeiste. Meine Freunde hatten immer wieder versucht mich mit anderen Männern zu verkuppeln, doch seit Tom war ich für andere Männer verdorben und wollte nichts mehr von ihnen wissen. Sicher, ein paar Tändeleien hatte es schon gegeben, doch war nie etwas Festes daraus geworden, weil ich es unterbewusst nicht zugelassen hatte. Ich glaubte immer noch, dass es die große Liebe nur einmal im Leben gibt und diese hatte ich für mich schon gefunden.
Ich weiß nicht warum ich vor zwei Monaten angefangen hatte die Geschichte von Tom und mir aufzuschreiben. Vielleicht brauchte ich einfach einen Beweis dafür, dass es ihn wirklich gegeben hat und deshalb schrieb ich es auf. Natürlich hatte ich einige Dinge verändert und ein Ende sollte das Buch auch haben, was die Beziehung zu Tom in meinen Augen nicht hatte. Ich hoffte ihn eines Tages durch einen Wink des Schicksals wiederzusehen und was danach war konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Einer befreundeten Agentin hatte ich von der Idee zu diesem Buch erzählt und nun saß ich daran und schrieb die Geschichte auf.

Einstein hatte sein Mittagsmahl beendet und schaute nun mit einem Hundeblick zu mir auf, dem ich einfach nicht widerstehen konnte. Seufzend stellte ich die leere Schale in den Abwasch und schnappte mir die Leine, was der Hund mit einem aufgeregten Schwanzwedeln quittierte. Durch die flimmernde Luft gingen wir gemächlich zum Fluss hinunter und hier fuhr mir endlich ein kühles Lüftchen unter die Haare. Genüsslich hob ich meine Haare an und ließ meinen Nacken von der kühleren Luft umschmeicheln. Einstein zog an der Leine und ich machte ihn los, damit er zum Fluss runter laufen konnte. Ich ging ihm langsamer hinterher und war froh als ich meine Schuhe ausziehen konnte, um meine Füße im Wasser zu kühlen. Seufzend ließ ich meinen Blick über das Wasser gleiten und sehnte mich danach das Meer wieder zu sehen.

Dort wäre es jetzt nicht so heiß. Ein sanfter Wind würde vom Wasser wehen und die Wellen würden leise um meine Füße schwappen. Ich wurde aus den Gedanken gerissen, als Einstein neben mir sein Fell ausschüttelte und mich in einen Tropfenregen hüllte. Leise hechelnd ließ er sich neben mir im Schatten eines Baumes auf der Uferböschung nieder. Auf die Ellenbogen aufgestützt fiel mir ein, dass ich in zwei Tagen zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung eingeladen war, die, meiner Agentin nach, förderlich für die Vermarktung meines Buches sein sollte. Seufzend richtete ich mich auf und Einstein folgte mir zurück zu unserem Haus. Ich beschloss im kühleren Haus weiter zu schreiben, was auch besser lief als gedacht. Der Hund erinnerte mich immer an die Mahlzeiten, die ich ohne ihn wahrscheinlich einfach vergessen würde und so endete dieser Tag wie so viele vor ihm auch schon mit ein wenig lesen und dann zu Bett gehen.
   

Kritisch betrachtete ich mich in meinem Spiegel und war mir nicht sicher, ob das Kleid für eine Garten- und Wohltätigkeitsparty geeignet war. Es ging mir bis knapp über die Knie und die hellblaue Farbe würde wunderbar meine ebenfalls blauen Augen zur Geltung bringen, hatte mir die Verkäuferin versichert. Ein paar Strähnen fielen aus meinen aufgesteckten Haaren und umringelten mein Gesicht. „Na was sagst du?“ fragte ich Einstein und drehte mich vor ihm im Kreis. Ich nahm sein Schwanzwedeln als Zustimmung und verließ mit ihm auf den Fersen den Raum.
Die Tochter meiner Nachbarin kam mir schon auf der Straße entgegen, um mir Einstein abzunehmen. Ich hätte ihn gerne als Begleiter auf die Party mitgenommen, doch die Leute hätten mich wahrscheinlich ziemlich seltsam angesehen, wäre ich dort mit einem Hund aufgetaucht. Mein Schreibfluss hatte angehalten und mittlerweile befand sich das getippte Buch sicher in meiner Tasche verstaut, was meine Agentin freuen würde. Sie brannte darauf das Manuskript einigen Verlagsvorsitzenden zu zeigen, die auch auf dieser Party anwesend sein sollten.

Ein Taxi brachte mich zu meinem Bestimmungsort, den ich alleine ganz sicher nicht gefunden hätte. Mir war etwas unbehaglich zumute, als ich die ganzen schicken Autos vor dem Haus stehen sah, dass man schon als kleines Schloss bezeichnen konnte. Meine Agentin erwartete mich vor dem Eingang und ich drückte ihr mein Manuskript in die Hand, das sie, wie ich erwartet hatte, freudestrahlend entgegen nahm. Sie blätterte schnell zu der Stelle, die sie noch nicht kannte und überflog den Schluss des Buches. „Das hört sich wirklich klasse an“, verkündete sie dann enthusiastisch und schob mich an dem Haus vorbei in den hinteren Garten. „Ich werde es nachher noch genauer lesen, aber ich denke, die Verlage werden sich darum reißen. Ich weiß auch schon genau wem ich es zeigen werde“, murmelte sie mehr zu sich selbst und bugsierte mich durch die Menschenmasse, die auf dem hinteren Rasen verteilt war.

Der Garten hatte wie das Haus selbst die Ausmaße eines kleinen Parks und wurde anscheinend von einer ganzen Kolonne Gärtner gepflegt, die den Rasen mähten, die Hecken schnitten und die unzähligen Blumenbeete in Ordnung hielten. Hinter einem Zelt entdeckte ich sogar einen kleinen Springbrunnen, der in einem Bachlauf weiter lief. Meine Agentin führte mich zur Gastgeberin, die ich pflichtschuldig begrüßte und ein paar nette Kommentare über den Garten und die Feierlichkeiten fallen ließ. Die Frau strahlte mich an und mir wurde ein Glas Champagner in die Hand gedrückt. Ich wurde weiter zu einigen Verlegern geschleift, die meine Agentin über mein Buch aufklärte und wo ich nur daneben stehen und lächeln musste.

Bei den Komplimenten über mein Aussehen und meine Frisur errötete ich artig und bedankte mich bei den Männern, doch innerlich rollte ich manchmal nur mit den Augen. Ich passte einen guten Moment ab, in dem meine Agentin abgelenkt war und ich mich heimlich davonstehlen konnte. Mein noch fast volles Glas Champagner stellte ich auf einem Tablett eines vorbeikommenden Kellners ab und nahm mir stattdessen einen Orangensaft. Auf meiner Wanderung über den Rasen hatte ich eine kleine Laube entdeckt, die versteckt neben dem Bachlauf lag und auf die ich mich nun langsam zu bewegte.

Ein schneller Blick über die Schulter sagte mir, dass gerade niemand in meine Richtung sah und so schlüpfte ich in den angenehm kühlen Schatten der Laube. Seufzend ließ ich mich auf eine Bank sinken und zog die Schuhe von meinen schmerzenden Füßen. Ein Schluck aus dem Glas brachte auch meinem trockenen Hals Erleichterung. Das Glas neben mir auf den Boden stellend, schloss ich die Augen und lehnte mich zurück. Ich döste eine Weile vor mich hin, doch dann ließ mich das Gefühl nicht mehr allein zu sein aufschrecken. Meine Augen hatten sich an das Dämmerlicht gewöhnt und ich sah die Gestalt, die neben dem Eingang stand sofort.

Das Gefühl, dass mich plötzlich durchfuhr war keine Furcht, sondern Erkennen. Ich erhob mich von der Bank, wobei alles in meinem Kopf tanzte, als die Gestalt sich zu mir herumdrehte, weil mein Kleid geraschelt hatte. Meine Augen weiteten sich, als ich das Gesicht der Person vor mir erkannte und ich ließ mich wieder auf die Bank sinken, da meine Beine mich nicht mehr tragen wollten. „Bist du ein Geist?“ flüsterte ich leise und hob eine zitternde Hand, die sogleich von dem Mann ergriffen wurde, der in die Laube getreten war und sich nun neben mir auf die Bank setzte. „Ich bin es nicht, aber bist du einer?“ fragte er ebenso leise wie ich und starrte mir in die Augen.

Als ich am ganzen Leib zu zittern anfing, riss er mich in seine Arme und hielt mich fest. Ein zittriges Lachen brach aus mir heraus und mir standen Tränen in den Augen, als ich ihn erneut ansah. „Das Schicksal meint es gut mit uns“, murmelte er und seine Augen strahlten. „Ich hab dich so vermisst Tom“, seufzte ich und drückte mich wieder an ihn. Er küsste mich auf die Haare und ich konnte fühlen wie sehr unser Zusammentreffen auch ihn mitgenommen hatte. Schweigend saßen wir eine Weile lang eng aneinandergeschmiegt da und erfreuten uns einfach nur an der Nähe des anderen.

Als Stimmen vor der Laube ertönten, standen wir auf und traten wieder in den Sonnenschein hinaus. „Ah Sarah, da bist du ja“, hörte ich die Stimme meiner Agentin, die uns mit einer weiteren Frau entgegen kam. „Wie ich sehe, habt ihr euch schon kennen gelernt“, fuhr sie fort und deutete auf Tom. Ich runzelte verwirrt die Stirn und sah zu der anderen Frau hinüber. Mein Blick fiel auf den Ring an ihrer Hand und mir wurde bewusst, dass Toms Frau vor mir stehen musste. Sie reichte mir die Hand und ich gab mir Mühe mir ein Lächeln abzuringen. „Das ist Elaine. Sie hat Interesse an deinem Buch.“ Meine Agentin lächelte mich fröhlich an und nickte mir zu.

Tom berührte mich verstohlen am Rücken, sah mich entschuldigend an und ich entspannte mich wieder etwas. „Wirklich?“ brachte ich nun endlich hervor und war erleichtert darüber, dass meine Stimme normal klang. „Ja, erzählen sie mir doch ein wenig darüber“, antwortete Elaine mir. Ich warf noch einen Blick auf Tom und ging dann mit ihr wieder den Rasen hinauf, um ihr von dem Buch zu erzählen.

Erschöpft lehnte ich mich in einem Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich hatte mich mit Elaine über das Buch unterhalten und sie hatte mir versprochen es sofort zu lesen, wenn meine Agentin ihr eine Kopie zugeschickt hatte. Ich spürte wie sich jemand neben mich auf einen Stuhl setzte, doch ich öffnete meine Augen nicht, da ich ganz genau wusste, wer da neben mir saß. „Ich hatte keine Zeit mehr es dir zu sagen. Es tut mir leid“, sagte Tom neben mir mit Bedauern in der Stimme. „Ist schon in Ordnung“, meinte ich leise, öffnete die Augen und lächelte ihn an. „Ich werde jetzt gehen.“ Ich erhob mich und streckte meine müden Glieder. Tom griff nach meiner Hand und ich sah lächelnd auf ihn hinab. „Wir sehen uns?“ Es war weniger eine Frage, als eine Feststellung und ich konnte als Antwort nur Nicken. Er ließ meine Hand los und ich verließ die Gartenparty.
   

Einstein roch Toms Geruch an mir. Ich konnte es an seinem wedelnden Schwanz und seinem fast schon freudigem Blick sehen. Leider musste ich ihn enttäuschen, denn ich hatte Tom nicht mitgebracht. Ich ließ mich auf einen Stuhl sinken und schlug die Hände vors Gesicht. Trockene Schluchzer brachen aus mir hervor und ich konnte nicht glauben, dass ich gehofft hatte, er würde seine Verlobte nicht heiraten. Einstein kam winselnd zu mir und legte seinen Kopf auf mein Knie. Ich krallte die Finger in sein Fell und rutschte vom Stuhl, um auch mein Gesicht an seinem Körper zu vergraben.

Nach einer schier endlosen Zeit hörten meine Tränen auf und ich begann wieder vernünftig zu denken. Ich hatte keine Ahnung wie ich mich Tom gegenüber verhalten sollte, wenn ich ihn wieder sah, falls ich ihn überhaupt wieder sah. Seine Frau Elaine war viel zu nett, um sie nicht zu mögen und sie gaben zusammen einfach ein schönes Paar ab. Ich wollte mich nicht zwischen sie drängen, sie sahen einfach so glücklich aus und meine Gefühle waren in meinen Augen nichts dagegen.
An diesem Abend gab ich mich voll meinem Kummer hin und verspeiste die Packung Eis in meinem Gefrierfach, um mich besser zu fühlen. Ich fühlte mich aber einfach nicht besser und so gab ich es auf und verkroch mich in mein Bett. Einstein schlüpft zu mir unter die Decke, was ich ihm sonst nicht durchgehen ließ, aber heute scheuchte ich ihn nicht weg.        

Der nächste Tag begann regnerisch und trübe, wobei meine Stimmung selbst auch nicht besser als das Wetter war. Ein Anruf meiner Agentin rüttelte mich wieder etwas auf und hob meine Stimmung an, da sie mir erzählte, dass Elaine mein Buch schon gelesen hatte und wohl so begeistert davon war, dass sie es in ihrem Verlag herausbringen wollte. Ich sollte mich mit ihr zum Mittagessen in einem mir unbekannten und sicher teuren Restaurant treffen, wobei wir alle Formalitäten besprechen würden.
Seufzend wühlte ich erneut in meinem Kleiderschrank, um etwas Passendes zu finden und wurde sogar fündig. Ich entschuldigte mich bei Einstein, da ich ihn schon wieder allein lassen musste und er sah mir mit hängendem Schwanz nach, als ich das Taxi bestieg. Mir war nicht ganz wohl dabei Elaine zu treffen und ich hoffte sehr, dass Tom nicht ebenfalls bei diesem Essen dabei sein würde. Ich hatte keine Ahnung wie ich mich ihm gegenüber verhalten, was ich sagen sollte.

Angenehm überrascht betrat ich nach der Taxifahrt ein kleines Lokal, in dem ich mich gleich zu Hause fühlte. Es war nicht einer dieser protzigen Läden, in die ich schon aus Prinzip nicht ging. Ich blickte mich um und entdeckte Elaine an einem Tisch in der Ecke. Sie telefonierte, gab mir jedoch mit Handzeichen zu verstehen, dass ich zu ihr kommen sollte. Sehr erleichtert stellte ich fest, dass der Tisch nur für zwei Personen gedeckt war und ich nicht mit Toms Gegenwart konfrontiert wurde. Elaine beendete ihr Gespräch, als ich mich zu ihr setzte. Wir begrüßten uns und ich studierte die Karte des Lokals.

Nachdem wir bestellt hatten und uns die Getränke gebracht wurden, sah sie mich über den Rand ihres Glases hinweg an. Ich stellte mich dieser Musterung und ließ mir nichts anmerken, denn das war es, eine Musterung. Was auch immer Elaine in meinem Gesicht las und was für Schlüsse sie daraus zog, wusste ich nicht, doch ich hatte das starke Gefühl, dass ich es bald erfahren würde. Nach einer Weile lächelte sie mir zu und stellte ihr Glas vor sich auf dem Tisch ab.

„Mir gefällt ihr Buch“, sagte sie und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, nicht ohne sich ihren Rock glatt zu streichen. Ich nickte ihr dankend zu, sagte aber nichts und wartete ihre nächsten Worte ab. „Die Charaktere wirken echt und nicht so flach wie in manchem anderen Roman“, fuhr Elaine fort und ich antwortete auf das Lob mit einem schweigenden Nicken. Was sollte ich auch sonst darauf sagen?

Elaine wurde vom Kellner unterbrochen, der unser Essen brachte und uns einen guten Appetit wünschte. Ich blickte sie über meinen Teller mit Nudeln hinweg an und wartete darauf, dass sie fort fuhr. „Es gibt eine Vorlage für diese Personen, nicht wahr?“ kam sie nun ohne weitere Umschweife auf ihre eigentliche Frage hinaus, was mich leicht zusammenzucken ließ. Ich überlegte im ersten Moment ihr eine Lüge zu erzählen, doch ich hatte das Gefühl, sie hätte die Wahrheit verdient. „Ja, das stimmt“, gab ich also zu und begann zu essen. Elaine nickte nur und widmete sich auch ihrem Essen.
„Ich wusste schon immer, dass es da noch jemand anderen gab. Schon vor der Hochzeit habe ich es gewusst“, sagte sie dann so leise, dass ich sie fast nicht verstanden hätte. Meine Gabel blieb auf halbem Weg zu meinem Mund in der Luft hängen, war vollkommen vergessen, und ich sah Elaine einfach nur wartend an, ein wenig ängstlich vor dem, was nun  kommen würde. „Ich weiß, dass Tom mich liebt, aber ich wusste auch, dass er mich nie aus tiefstem Herzen lieben würde. Nicht so wie er sie liebt.“ Nach diesen Worten ließ ich meine Gabel ganz sinken und ich musste wohl ziemlich blass geworden sein, denn Elaine legte beruhigend ihre Hand auf meine.
„Ich bin ihnen nicht böse“, meinte sie dann und schenkte mir sogar ein kleines Lächeln. Auch ich brachte ein Lächeln zu Stande und atmete erst mal kurz durch. „Woher wussten sie, dass ich Tom kenne?“ fragte ich, nachdem ich mich in meinen Stuhl zurücksinken ließ. „Sein Blick auf der Party hat Bände gesprochen für jemanden, der ihn schon so lange kennt wie ich. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und schon damals war ich richtig verknallt in ihn“, gab Elaine mit einem verträumten Blick zu. „Er war es nicht“, fuhr sie dann nüchterner fort und blickte mich wieder an.
Ich nickte nur darauf, wusste nicht was ich sonst hätte tun oder sagen sollen. „Irgendwie habe ich gespürt, dass er nach seinem Urlaub anders war. Er hatte seinen Hund für mich aufgegeben und das war, glaube ich, das Schwerste überhaupt für ihn. Ich weiß, dass er mich nicht betrogen hat, jedenfalls nicht auf diese Art“, fügte Elaine noch hinzu, da sie gemerkt hatte, wie ich zusammenzuckte. „Ich wusste nur, dass er jemanden gefunden hatte, den er wirklich liebte, der der andere Teil seiner Seele war. Doch ich wollte es nicht wahr haben und habe es einfach wieder verdrängt.“ Mitgefühl schnürte mir die Kehle zu für die Frau, die nun vor mir saß und mir dies alles erzählte. Ich hatte nicht vorgehabt andere Menschen zu verletzen, doch ich sah Elaines Schmerz ganz deutlich vor mir und nichts was ich sagen oder tun würde, würde diesen Schmerz wieder lindern.   
„Ich habe meine Augen verschlossen und einfach weiter gelebt und ich war glücklich mit meinem Leben, so wie es war. Wir waren beide glücklich“, fügte sie noch hinzu. „Das glaube ich“, erwiderte ich leise und konnte immer noch nicht fassen, welchen Schmerz ich dieser wundervollen Frau vor mir unwissentlich bereitet hatte. „Wie er sie auf der Party angesehen hat, da wusste ich sofort wer sie waren und eigentlich wollte ich ihr Buch deswegen gar nicht lesen“, vertraute sie mir an, wobei sie ein wenig traurig lächelte. „Doch irgendwie muss es Schicksal gewesen sein, dass wir uns getroffen haben und so habe ich es doch gelesen und ich mag es. Es sagt so viel über die Menschen aus und es ist eine wundervolle Geschichte, die viel über Tom erzählt und ihre Gefühle für ihn beschreibt. Ich danke ihnen dafür.“ Elaine griff nach einem Taschentuch und ich konnte sehen, wie es feucht in ihren Augen glänzte. Ich griff nach ihrer Hand und drückte sie.
„Es tut mir so leid“, sagte ich und meinte es auch so. „Ich wollte mich nicht zwischen sie und Tom drängen.“ Doch Elaine schüttelte den Kopf und ließ mich nicht weiter sprechen. „Es ist gut so. Mir ist es lieber, wenn wir uns als Freunde trennen, als wenn alles in einem großen Streit enden würde“, sagte sie mir und ich musste ihre Stärke bewundern. „Ich bin mir sicher, dass wir ihr Buch herausbringen werden und ich hoffe, dass wir uns noch des Öfteren sehen werden“, meinte Elaine und hielt mir die Hand hin. Erfreut schlug ich ein. „Sicher. Das wäre schön.“
Sie erhob sich und lächelte mir zu. „Ich hoffe das Schicksal meint es besser mit ihnen als mit mir. Viel Glück für sie und Tom.“ Damit ging sie und ließ mich nachdenklich, aber auch glücklich, in dem Lokal zurück.  

Einstein lief vor mir auf dem Weg lang und hatte anscheinend irgendeine Spur aufgenommen. Die Hitze der letzten Tage hatte zum Glück etwas nachgelassen und die Temperaturen waren angenehmer. Das Gespräch mit Elaine ging mir immer noch im Kopf herum, was wohl auch daran lag, dass wir mittlerweile schon einige Male miteinander telefoniert hatten. Sie war eine tolle Frau und ich glaubte, dass wir irgendwann zu echten Freundinnen werden konnten, trotz allem was zwischen uns lag.

Der Hund lenkte bellend meine Aufmerksamkeit auf sich und ich sah, wie er um die nächste Wegbiegung verschwand. Ich beschleunigte meine Schritte ein wenig, um ihn wieder einzuholen. Sein Gebell ging in eine freudiges Winseln über und ich runzelte nachdenklich die Stirn, da ich nicht wusste was mich hinter der Biegung erwarten würde.

Ich hielt den Atem an und konnte mich nicht mehr rühren, als ich endlich wieder freie Sicht auf meinen Hund hatte. Er tanzte um einen Mann herum, der ihn ebenfalls freudestrahlend begrüßte. Ich spürte, wie ich anfing zu zittern und meine Sicht verschwamm, konnte jedoch nichts dagegen machen. Mein Herz raste und alles um mich herum wurde bedeutungslos, nur noch dieser Mann und der Hund zählten. Ich konnte nicht sprechen, mich immer noch nicht bewegen und mein Mund wurde vollkommen trocken, als der Mann aufblickte und mich sah. Ein Strahlen breitete sich über sein Gesicht aus und er kam auf mich zu.

Dann stand er vor mir und ich konnte ihn nur anstarren, als wäre er gerade meinen Träumen entstiegen. „Hallo“, sagte Tom und strich mir sanft übers Gesicht. Das brach endgültig den Damm und meine Augen füllten sich mit Tränen, die ich nicht mehr zurückhalten konnte. Tom nahm mich in seine Arme und strich mir beruhigend über den Rücken, während ich mich an ihn klammerte und hemmungslos weinte. Einstein saß etwas ratlos neben uns und sah sich die ganze Szene mit schiefgelegtem Kopf an.
    
„Hallo“, erwiderte ich nach einiger Zeit und wandte mein tränenfeuchtes Gesicht Tom zu. Er lächelte mich sanft an und wischte mir die Tränen von den Wangen. „Es ist auch schön dich zu sehen“, sagte er leise und küsste mich. Mir wurde bewusst, wie sehr ich seine Nähe, seine Umarmungen und Küsse, ja selbst seinen Geruch vermisst hatte. Wir lösten unsere Lippen voneinander, um nach Luft zu schnappen und sahen uns an, riefen uns die Gesichtszüge des anderen wieder ins Gedächtnis.
Er nahm meine Hand und Einstein nahm das zum Anlass aufzuspringen und vor uns her zu laufen. Sein Schwanzwedeln schien zu sagen, das er froh war, dass seine zwei geliebten Zweibeiner endlich wieder zusammen waren. Wir schwiegen, erfreuten uns an der Nähe des anderen und genossen den Augenblick. Später würde noch genug Zeit sein, um zu reden und alles zu klären, was geklärt werden musste.

Unser Weg führte uns aus dem Park hinaus und zu meinem Haus, vor dem wir stehen blieben. „Kommst du mit rein?“ fragte ich Tom, auf einmal unsicher geworden. Er lächelte mich an und drückte meine Hand und ich wusste wie töricht meine plötzliche Angst gewesen war. „Sehr gerne“, sagte er und ich schloss die Tür auf. Wir gingen hinein und als die Tür hinter uns zufiel, dankte ich dem Schicksal, dass es uns wieder zusammengeführt hatte.
   

Ende
Chatbox
bullet Admin
19 Nov : 13:44
Ich wünsche allen viel Spaß auf meiner Seite.
bullet roadnet
27 Sep : 23:55
Viel Spaß mit der neuen Homepage, wünscht das roadnet.de Team
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