Pretender: Nicht allein - Nenyas World


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Pretender: Nicht allein
St. Peters Psychiatrie,
Portland, Maine
 

Jarod sah an sich herunter und lächelte leicht. Er kam sich in den weißen Sachen einer Psychiatrie immer etwas seltsam vor. Das Namensschild an seiner Brust zeigte diesmal den Namen Jarod Smith und er begann seinen ersten Tag als neuer Pfleger, was für ihn als Pretender natürlich kein Problem war. Er konnte alles sein was er wollte und heute war es ein Krankenpfleger.
Er schob eine Brille auf seine Nase und trat aus dem Umkleideraum um sich mit der Oberschwester der Station zu treffen. Er hörte nur mit halbem Ohr ihren Ausführungen über die Patienten und die von ihm zu beachtenden Regeln zu, da er sich genau in seiner neuen Umgebung umsah. Die meisten Patienten, an denen sie vorbei gingen, blickten ihm nicht in die Augen oder murmelten leise vor sich hin. Ihm lief jedes Mal ein Schauer über den Rücken, wenn er die verschiedenen Menschen sah, denen nicht geholfen werden konnte und von denen die meisten langsam vor sich hin vegetierten.
 
„Das hier ist Louisa“, sagte Schwester Clara gerade und deutete in ein Zimmer hinein. „Sie werden hauptsächlich für sie zuständig sein, Jarod. Sie braucht besondere Pflege und wir haben einfach zu wenig Personal dafür.“ Er blickte ins Zimmer und entdeckte eine junge Frau, die in einem Stuhl am Fenster saß und aus dem Fenster starrte. „Gehen sie ruhig zu ihr und machen sich mit ihr bekannt“, meinte Schwester Clara von der Türschwelle aus, „Ich erwarte sie dann im Schwesternzimmer und sage ihnen, was sie weiter zu tun haben.“ Jarod nickte ihr zu und bewegte sich vorsichtig in den Raum hinein, um Louisa nicht zu erschrecken. Vor ihr ging er in die Hocke und berührte sie vorsichtig am Knie. Sie blickte ihn eine wenig traurig lächelnd an. „Hallo, Jarod“, signalisierte sie in Zeichensprache und sah wieder aus dem Fenster. „Hallo“, erwiderte er leise und betrachtete forschend ihr Gesicht. Sie kam ihm so seltsam vertraut vor, weswegen er jetzt auch hier war. „Sie warten auf dich. Geh jetzt“, las Jarod aus Louisas Zeichen und wandte sich zur Tür, um zu gehen. Dort angekommen blickte er noch einmal zurück und sah sie noch immer in der gleichen Position vor dem Fenster sitzen. Er holte ein rotes Buch aus der Tasche und schlug es an der Stelle mit dem Zeitungsartikel auf. Dort stand:  


Junge Frau bringt Mann mit fehlendem Daumen um  

Jarod war sich nicht sicher ob das Centre hinter dieser Geschichte steckte, aber er war hier, um herauszufinden welche Rolle Louisa darin spielte.  


The Centre,

Blue Cove, Delaware  

„Und haben sie etwas von unserem Wunderknaben gefunden, Broots?“ fragte Miss Parker und steckte sich eine Zigarette an. Der an einem Computer sitzende Broots duckte sich bei diesen Worten und schielte über seine Schulter zu seiner Vorgesetzten. Es blieb ihm erspart zu antworten, da in diesem Moment Sydney in den Raum trat und somit ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
„Jarods Spur verliert sich in Texas, wo er zuletzt als Ranger gearbeitet hat. Das Sweeper-Team hat ein rotes Buch entdeckt, aber ich konnte noch keinen Hinweis auf seinen nächsten Aufenthaltsort finden“, erklärte er und blickte Miss Parker dabei aufmerksam an. Diese fuhr sich frustriert durch die Haare und drückte ihre Zigarette in dem Aschenbecher auf Broots Schreibtisch aus.
„Finden sie ihn“, zischte sie und zeigte mit dem Finger auf Broots, der sich ein wenig schuldbewusst wieder an die Arbeit machte.



St. Peters Psychiatrie,
Portland, Maine
 

Nach einer erneuten Besprechung brachten Jarods Schritte ihn wieder zu Louisas Zimmer, dass er jedoch verlassen vorfand. Stirnrunzelnd sah er sich um und sah eine Gestalt hinter der nächsten Ecke verschwinden. Er ging hinter der Gestalt her und fand sich vor den Türen zur Parkanlage wieder.
Viele der Patienten befanden sich bei diesem guten Wetter nicht auf ihren Zimmern, sondern hielten sich draußen auf. Sie liefen mit Pflegern oder Schwestern über den Rasen oder wurden von ihren Angehörigen über die Wege geschoben. Jarod ließ seinen Blick über die weitläufige Rasenfläche schweifen und sah noch eine Bewegung, die hinter einigen Bäumen verschwand. Schnell ging er darauf zu und tauchte in den Schatten der Bäume ein.

Er konnte gerade noch sehen, wie ein Mann in Patientenkleidung Louisa eine Spritze gab und sie dann festhielt. „Was zum Teufel…“, rutschte es ihm hinaus und er lief auf die Beiden zu. Louisa wand sich in den Armen des Mannes und Jarod wollte ihn wegziehen, doch ihre Hand schnellte vor und packte ihn am Arm. „Nicht“, presste sie zwischen den Zähnen hervor und sah ihn flehend an. Er ließ sich in die Hocke sinken und nahm ihre Hand. Die Krämpfe ließen langsam nach und Louisa schloss seufzend für einen Moment die Augen. „Alles wieder gut?“ fragte der Mann in leicht lallendem Tonfall und sie lächelte ihn schwach an. „Alles in Ordnung, Fred. Du kannst jetzt gehen.“ Fred sah Jarod stirnrunzelnd an, aber Louisa legte ihm eine Hand auf den Arm und drückte ihn kurz. „Geh jetzt Fred, ich bin in Ordnung.“ Schwankend setzte sie sich auf und Fred verschwand in Richtung Gebäude.

„Ich glaub mir wird schlecht“, brachte sie noch hervor, bevor sie sich auf den Rasen neben ihr übergab. Jarod hielt ihr die Haare aus dem Gesicht und reichte ihr ein Taschentuch, mit dem sie sich den Mund abwischen konnte. „Sieh mich nicht so anklagend an“, meinte Louisa nur trocken, als sie sich wieder aufrichtete und sich stöhnend gegen einen Baum lehnte. „Was hat er dir gegeben?“ fragte Jarod bestimmt und sie hielt ihm wortlos ein kleines Fläschchen hin. „Kortison
?“ Sie überging seinen fragenden Ton und das Stirnrunzeln und versuchte sich gerader hinzusetzten, wobei Jarod nur mit beherztem Zugreifen verhindern konnte, dass sie umkippte. Mit einem Schulterzucken lehnte Louisa sich wieder gegen den Baum und sah Jarod offen in die Augen. „Das ist das einzige, was gegen das Zeug hilft, das sie mir spritzen. Sie machen mich dadurch zu einer gefühllosen Hülle, die alles macht was sie wollen und die sich nur durch Zeichensprache verständlich machen kann. Ich kann einfach nicht mehr so weiter leben“, antwortete sie auf seine Frage und Jarod sah Tränen in ihren Augen schimmern.
„Woher kennst du mich?“ stellte er die Frage, die ihn nicht mehr losließ, seit sie das erste Mal seinen Namen genannt hatte ohne ihn auf seinem Namensschild zu lesen. Louisa lächelte ihn an, doch die Traurigkeit verschwand nicht aus ihrem Blick. „Aus unserer Kindheit. Aus dem Centre.“  

Benommen zog Jarod die Beine an seinen Körper und stützte sein Kinn auf die Knie. Szenen von früher liefen vor seinen Augen ab, doch er konnte sie nicht in Zusammenhang mit der Frau bringen, die vor ihm saß. Louisa schien zu wissen, was in ihm vorging, denn sie nahm seine Hand in ihre und lenkte somit seine Aufmerksamkeit auf sich.

„Ich war das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen, das ihr nie habt mitspielen lassen“, erklärte sie und zwinkerte ihm zu. Sie beobachtete Jarods Gesicht und ihr entging nicht das Erkennen, das darüber huschte. „Du hast mir mal meine Hose geklaut“, meinte er und schwankte zwischen Lachen und Beklommenheit. Louisa grinste ihn jetzt offen an, als sie sich an diesen Vorfall erinnerte und zuckte dann mit den Schultern. „Irgendwie musste ich ja deine Aufmerksamkeit erregen“, erklärte sie und lächelte immer noch. In diesem Lächeln konnte Jarod das kleine Mädchen von damals erkennen und er drückte freudig ihre Hand. „Es ist gut dich wieder zu sehen.“

„Wo hast du die Zeichensprache gelernt?“ stellte Jarod die Frage, die ihm schon auf der Zunge lag. „Von meiner Pflegemutter Isabelle. Sie ist taub und deswegen habe ich es gelernt, obwohl sie auch Lippenlesen kann. Es war wie eine Geheimsprache und es hat mir Spaß gemacht es zu lernen.“ Nachdenklich sah sie dem Schattenspiel der Bäume zu und ließ den Wind über ihr Gesicht streifen.
„Ich muss wieder zurück“, meinte Louisa plötzlich und blickte auf. „Sie werden nach mir suchen, wenn ich zu lange wegbleibe.“ Sie erhob sich schwankend und griff dankbar nach Jarods Arm, den er ihr wortlos reichte. „Wieso bist du hier?“ fragte Jarod leise. Louisa lachte freudlos und sah ihn von der Seite an. „Ich denke du hast den Zeitungsartikel gesehen oder nicht?“ fragte sie und Jarod nickte. „Das Centre hat mich reingelegt, als ich nicht mehr bei ihren kleinen Spielchen mitspielen wollte“, fing sie mit ihrem Bericht an, während sie über den Rasen schritten. „Ich wurde abgeholt, gefesselt und dann haben sie behauptet ich hätte jemanden umgebracht. Sie hatten zwar keine Leiche, aber Zeugen die gesehen hatten wie ich den Typen umgebracht haben soll. Was konnte ich dagegen schon machen?“ Verdrossen trat sie nach einem Becher, den jemand auf dem Gras vergessen hatte. „Steckt Mr. Lyle dahinter?“ fragte Jarod ohne die Augen von ihr zu lassen. „Kennst du jemand anderen mit einem fehlenden Daumen?“ erwiderte Louisa spöttisch und blickte ihn an. „Nein“, meinte er und senkte den Kopf. „Wie soll man einen Toten töten“, sagte sie leise, als sie das Gebäude betraten.
„Wie ich sehe geht es dir wieder besser, Louisa“, ertönte Schwester Claras Stimme aus dem Schwesternzimmer, an dem sie gerade vorbei gingen. „Danke Schwester. Ich fühle mich viel besser“, entgegnete sie und zog Jarod eilig weiter. „Ich kann versuchen dich hier herauszubringen“, sagte er, als sie an der Tür von ihrem Zimmer angekommen waren. „Versuch es“, meinte sie und er entdeckte wieder diesen traurigen Ausdruck in ihren Augen. „Vielleicht schaffst du, was ich nicht geschafft habe.“ Damit wandte sie ihm den Rücken zu und schloss die Zimmertür hinter sich.
 

Polizeirevier West,
Portland, Maine
 

„Detective Gray?“ Jarod wandte sich der Frauenstimme entgegen, die hinter ihm erklang. „Was kann ich für sie tun?“ Vor ihm stand eine kleine, rothaarige Polizistin, die ihn freundlich anlächelte. „Ich interessiere mich für den Fall von Louisa Andrews, Detective Taylor. Wissen sie etwas darüber?“ Die Frau legte ihre Stirn in Falten, als sie über den Namen nachdachte und man konnte erkennen, dass sie die Lösung gefunden hatte, als sich ihr Gesicht aufhellte.
„An den Namen kann ich mich erinnern. Das war einer der ersten Fälle, an dem ich auf diesem Revier mitgearbeitet habe. Mir kamen die Beweise für ihre Schuld ziemlich dürftig vor, aber der Staatsanwalt hat es trotzdem geschafft die Geschworenen gegen sie aufzubringen. Sie hatte einen guten Anwalt, der sie nur in die Psychiatrie gebracht hat“, erklärte sie und Jarod hörte ihr aufmerksam zu. „Kann ich mir die Beweise ansehen?“ fragte er dann und blickt sie an. „Natürlich“, meinte sie lächelnd. „Kommen sie mit. Die Tatwaffe müsste immer noch in der Asservatenkammer mit den anderen Beweisen liegen.“ Jarod nickte und folgte ihr dann aus dem Büro hinaus.
  
In der Asservatenkammer sah er sich die Beweise an und runzelte über den Tatortbericht die Stirn. „Das sind doch nur Indizien“, sagte er schon fast verärgert zu Detective Taylor. Sie nickte mit einem Stirnrunzeln, als sie sich die Beweise ebenfalls noch einmal ansah. „Das müssen sie mir nicht sagen“, murmelte sie. „Ich hab nur den Schreibkram gemacht, aber es kommt mir immer noch seltsam vor.“ „Eigentlich sollte niemand wegen einem Liter Blut, einem Messer und ein paar Fingerabdrücken verurteilt werden. Da steckt doch noch mehr dahinter“, meinte Jarod zweifelnd und blickte Taylor an. „Ich weiß noch, dass die Ermittlungen ziemlich schnell gingen und auch die Verurteilung ging schneller als normal von statten“, erklärte Taylor und Jarod nickte. „Danke für ihre Hilfe“, sagte er und verließ das Revier.
 

St. Peters Psychiatrie,

Portland, Maine  

Louisa ließ den Bildschirm des Computers verlöschen, als sie Schritte hinter sich hörte. Schnell wandte sie sich um und schloss für einen Augenblick die Augen, als sie Jarod entdeckte. „Hast du mich erschreckt“, sagte sie und stieß ihren angehaltenen Atem aus. Er setzte sich auf einen Stuhl neben sie und lehnte sich zurück. „Sie hätten dich nicht verurteilen dürfen“, sagte er nur und Louisa seufzte. „Was meinst du wofür das Centre sein ganzes Geld benutzt. Um es wohltätigen Organisation zu spenden?“ fragte sie und der Sarkasmus war überdeutlich in ihrer Stimme zu hören.
Sie drehte sich wieder zum Computer um und wandte Jarod den Rücken zu. „Was machst du da?“ fragte er und blickte auf den wieder erleuchteten Bildschirm. „Spionieren“, sagte sie und zwinkerte ihm zu. „Du brichst in den Computer vom Centre ein?“ fragte Jarod ein wenig erschrocken. „Du doch auch“, meinte Louisa und zuckte noch mal mit den Schultern. „Ich will wissen was sie mit meinen Simulationen machen“, sagte sie plötzlich ernst geworden und deutete auf den Bildschirm. „Ein Flugzeugabsturz?“ „Das war meine letzte Simulation, die ich an dem Tag gemacht habe, als du gekommen bist. Ich sollte untersuchen warum ein Flugzeug abgestürzt ist und jetzt sieh dir das an. Sie wollen es benutzen, für einen Absturz.“ Aufgebracht trennte Louisa die Verbindung und sah Jarod an. Tränen schimmerten in ihren Augen.
„Ich wollte aufhören, aber sie ließen mich nicht. Deswegen bin ich hier. Sie haben mir das mit dem Mord angehängt, damit ich nicht aussteige. Die brauchen einen Pretender seit du nicht mehr dort bist, auch wenn ich nicht so gut bin. Das Centre lässt einen nie vom Haken, oder?“ Fragend blickte sie in Jarods Augen und dieser schüttelte den Kopf. Louisas Schultern bebten und sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Jarod schloss sie in die Arme und streichelte über ihren Rücken bis ihre Schluchzer verebbt waren.
 

„Seitdem ich geflohen bin, bist du hier?“ fragte Jarod und hielt Louisa dabei immer noch in den Armen. Ab und zu warf er einen wachsamen Blick zum Korridor, denn es wäre nicht so gut für sie beide, wenn sie erwischt würden. Louisa wischte sich übers Gesicht und nickte. „Sonst haben sie mich in Ruhe gelassen, aber als du geflohen bist, brauchten sie mich wieder mehr.“
Sie seufzte und setzte sich auf. „Komm mit. Verschwinden wir hier und ich erzähle dir meine Geschichte, wenn du willst.“ Louisa stand auf und Jarod folgte ihr. „Ich würde gerne deine Geschichte hören“, sagte er ernst und drückte ihre Hand.
 

Sie saßen auf einer Bank im weitläufigen Park der Klinik und Louisa schloss kurz die Augen und hielt ihr Gesicht der Sonne entgegen. Stockend begann sie mit ihrer Geschichte. „Das Centre hat mich entdeckt als ich fünf war. Sie haben mich Sachen machen lassen, die ich für ein Spiel hielt. Sie waren nett zu mir und es war nichts Schlimmes dabei. Als ich neun war starben meine Eltern bei einem Autounfall. Ich habe als einzige überlebt, selbst meinen Hund mussten sie einschläfern, aber ich war ziemlich schwer verletzt.“ Jarod griff nach ihrer zitternden Hand und hielt sie fest. Er lächelte ihr ermutigend zu. „Das Centre brachte mich in einer Pflegefamilie unter, zahlte für meine Schule und mein Studium. Es war nicht sehr klug von ihnen, dass sie mir nicht vorgeschrieben haben was ich studieren sollte. Ich hab alles gelernt was mir nützlich erschien, wie Biologie, Chemie, Medizin. Es war mir ziemlich nützlich.“ Sie lächelte ironisch und seufzte. „Ab und zu ließen sie mich Simulationen durchführen, was keine große Sache war. Ich fand es nicht sonderlich schlimm und habe mir auch nicht weiter Gedanken drüber gemacht, was sie damit machen. Du weißt was sie einem über die Simulationen sagen.“ Louisa sah zu Jarod hinüber und dieser nickte grimmig. Er wusste genau was sie meinte. „Sie ließen mir ziemlich viel Freiraum, zwangen mich nicht zu den Simulationen und ich hatte schon eine ganze Weile mit ihnen aufgehört und wollte auch nicht weiter machen. Als du geflohen bist, baten sie nicht mehr nett darum. Ich habe mich trotzdem geweigert und deswegen haben sie mich hier rein gesteckt. Sie setzten mich unter Drogen, damit ich besser bin und sie meine Gefühle ausschalten können.“ Jarod blickte sie fragend an. „Deine Gefühle?“ fragte er nach. „Ich bin irgendwie halb halb. Zum Teil Emphat und zum Teil Pretender. Ich glaube ich war das einzige Wunderkind, mit dem das Centre nie richtig etwas anfangen konnte, deswegen hatte ich so viel Freiraum und habe nie dort gelebt.“ Louisa verzog die Lippen zu einem humorlosen Lächeln und stand auf und streckte sich. „Ich muss rein. Auch wenn ich meine Medikamente nicht nehme, muss ich doch dort sein, wenn sie sie verteilen.“ Louisa lächelte ihm etwas traurig zu und ging. Jarod blickte ihr nach und dachte über das Gehörte nach.
 

Jarod bog gerade um eine Ecke, als er Louisa in der Mitte von zwei bulligen Pflegern sah. Er blieb stehen, um ihr notfalls helfen zu können, doch dann sah er einen kleinen, leicht untersetzten Mann auf sie zukommen. Auf sein Handzeichen ließen die Pfleger Louisa los und sie trat einen Schritt auf den Mann zu. „Bitte Dr. Jang. Nicht heute“, bat sie in flehendem Ton, wobei Jarod sich näher lehnte, um etwas zu verstehen. „Es ist Besuchstag. Bitte nicht jetzt, Dr. Jang.“ „Na gut“, erklang die tiefe Stimme des Doktors. „Dann heute um Mitternacht und du wirst keinen Aufschub mehr bekommen. Lasst sie gehen.“ Louisa beeilte sich aus der Reichweite der Gorillas zu kommen und hastete um die Ecke, hinter der Jarod stand.
Er hielt sie am Arm fest und sie lehnte für einen Moment ihre Stirn an seine Schulter. Als sie zu ihm aufsah, brachte sie ein wackeliges Lächeln zustande und löste sich dann von ihm. „Was war das gerade?“ wollte er wissen, doch sie schüttelte nur den Kopf und sah ihn bittend an. „Ich erkläre es dir später. Komm mit wenn du willst“, sagte sie und schlug den Weg zum Park ein.

Draußen blickte sie sich suchend um und ein strahlendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie entdeckt hatte, was sie suchte. Jarod sah einen kleinen Jungen auf Louisa zulaufen und auch sie beschleunigte ihren Schritt. „Mummy“, rief der kleine Junge glücklich und warf sich in ihre Arme. „Ich bin so froh, dass du da bist, Zach“, flüsterte sie ihm ins Ohr und drückte ihn fest an sich. „Sieh mal das hab ich für dich gemalt, Mummy“, sagte Zach stolz und hielt ihr ein Bild hin. „Das ist toll mein Kleiner“, meinte Louisa und drückte ihn noch mal an sich. Dann stand sie auf und sie setzten sich gemeinsam auf eine Bank. „Wer ist das?“ fragte sie und deutete auf eine Figur auf dem Bild. „Das bist du, wie du mich auf der Schaukel anstößt und das sind Tante Isabelle und Onkel George“, erklärte er und sah sie lächelnd an. „Danke, Zach. Das ist ein wunderschönes Bild. Ich werde es mir an die Wand hängen. Sieh mal, da vorne ist Onkel George und sucht uns. Lauf doch hin und bring ihn her, ja?“
Lächelnd sah sie ihm nach und lehnte sich auf der Bank zurück. Ein Schatten fiel auf ihr Gesicht, als Jarod sich neben sie auf die Bank setzte. „Wer ist er?“ fragte er und stützte die Ellenbogen auf die Knie. Louisa blickte ihn von der Seite an und wusste nicht, ob sie auf die Frage antworten sollte, gestand sich dann aber ein, dass er es sowieso erfahren würde. „Er ist mein Sohn“, sagte sie schlicht und beobachtete Jarod bei dieser Eröffnung. Erstaunt blickte er auf, nickte dann aber lächelnd. „Er ist der Grund weswegen du aufhören wolltest.“ „Ja und es ist ziemlich schwer für uns beide seitdem ich hier drin bin. Ich bin froh, dass meine Pflegeeltern für ihn sorgen. Das ist mein Pflegevater George“, sagte sie und deutete auf den Mann, der ihren Sohn an der Hand hielt und auf sie zukam. „Ich werde euch alleine lassen“, meinte Jarod und wollte aufstehen, doch Louisa hielt ihn zurück. „Ich will dich ihnen vorstellen“, erwiderte sie und eine zarte Röte überzog ihr Gesicht. „Es würde mir viel bedeuten.“ „Wer ist das Mummy?“ fragte Zach gut gelaunt, als er und George auf sie zukamen. „Das ist Jarod, ein Freund von mir“, erklärte Louisa und hob ihren Sohn auf ihren Schoß. „Hallo Zach, freut mich dich kennen zu lernen“, sagte Jarod und schüttelte seine Hand, woraufhin Zach sein Gesicht kichernd an der Schulter seiner Mutter verbarg.
George schüttelte ihm wortlos die Hand und Jarod nickte ihm zu. „Ich werde jetzt gehen“, meinte er und erhob sich von der Bank. Er zwinkerte Louisa noch einmal zu, wandte sich um und entfernte sich. „Danke, das du ihn hergebracht hast, George“, hörte er Louisa sagen. „Du weißt, dass ich das gerne mache. Du bist wie eine Tochter für mich, Louisa.“ Mehr konnte Jarod nicht verstehen, doch er legte es auch nicht darauf an sie zu belauschen. Dafür fühlte er sich Louisa viel zu sehr verbunden.
     


The Centre,

Blue Cove, Delaware  

Sydney saß an seinem Schreibtisch und las im Licht seiner Lampe eine Akte. Er blickte auf, als das Telefon klingelte und nahm dann den Hörer ab. „Sydney“, meldete er sich und lauschte auf eine Antwort vom anderen Ende der Leitung. „Du hast mir nie erzählt, dass es auch einen weiblichen Pretender gibt“, erklang Jarods Stimme aus dem Telefon. „Du meinst Louisa. Sie war früher ab und zu im Centre. Ein nettes Mädchen“, sagte Sydney und tippte mit einem Stift auf den Tisch. „Warum ist das Centre immer noch hinter ihr her, wenn sie nicht ihren Ansprüchen entspricht?“ „Ich wusste nicht, dass sie sie immer noch für Simulationen benutzen, Jarod. Vielleicht kann ich herausfinden, wer dafür verantwortlich ist, aber ich kann dir nichts versprechen“, meinte Sydney, während er sich in seinem Stuhl aufsetzte. „Danke, Sydney.“ Mit diesen Worten legte Jarod auf und ließ einen nachdenklichen Sydney zurück.    

St. Peters Psychiatrie,

Portland, Maine  

„Bis dann. Ich liebe dich“, rief Louisa ihrem Sohn hinterher, der ihr fröhlich zum Abschied zuwinkte und dann ins Auto einstieg. Sie drehte sich um, damit ihr Sohn nicht sah, wie sie weinte und sah Jarod in ihrer Nähe stehen. Er kam auf sie zu und hielt ihr ein Taschentuch entgegen, das sie dankbar annahm und sich damit die Tränen vom Gesicht abwischte. Zusammen verließen sie den Eingangsbereich der Klinik und gingen in Louisas Zimmer, wobei Jarod sich zuerst noch umsah, ob ihnen jemand folgte.
Louisa setzt sich auf ihr Bett und ließ den Kopf hängen. Es nahm sie jedes Mal wieder mit, wenn sie ihren Sohn gehen lassen musste, ohne mit ihm gehen zu können. „Alles in Ordnung?“ Jarod kam näher und ließ sich neben sie auf die Bettkante fallen. Louisa zuckte mit den Schultern und schenkte ihm ein schiefes Lächeln, als sie aufsah. „Es wird jedes Mal schwerer ihn wieder gehen zu lassen. Ich weiß, dass er bei meinen Pflegeeltern in guten Händen ist, aber ich vermisse ihn so sehr“, meinte sie und stand seufzend auf, um das neue Bild neben die anderen zu hängen.

„Darf ich dir eine Frage stellen?“ fragte Jarod vorsichtig. „Sicher.“ Louisa wandte ihm immer noch den Rücken zu und wartete darauf, dass er weiter redete. „Wer ist Zachs Vater?“ Jarod sah, wie sich Louisas Schultern bei dieser Frage anspannten und sie drehte sich langsam zu ihm um. Mit einem kurzen Zögern antwortete sie: „Ich weiß es nicht. Vor sieben Jahren kam ich nach einer Simulation aus dem Centre und stellte kurz danach fest, dass ich schwanger war. Sie müssen mich künstlich befruchtet haben.“ Jarod war nicht wirklich geschockt über diese Antwort, denn das Centre hatte diese Methode schon einmal bei Miss Parkers Mutter angewendet. „Hast du versucht es herauszufinden?“ „Natürlich“, sagte Louisa sarkastisch und begann im Zimmer auf und ab zu gehen, „aber ich bin nicht so gut, um so weit in den Computer des Centres einzudringen. Ich bin zwar recht geschickt im Umgang mit Computern, aber niemand hat mir beigebracht mich in sie rein zuhacken.“

„Ich kann es versuchen“, bot Jarod an und stand auf. Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und Louisa und Jarod schlichen sich durch die Gänge zu Jarods Zimmer in der Klinik. Hinter sich schloss er die Tür, klappte seinen Computer auf und loggte sich ins Internet ein. Louisa stellte sich hinter ihn und blickte über seine Schulter auf den Bildschirm. Dort erschien das Logo des Centre und Jarods Finger huschten über die Tastatur und er drang immer tiefer in den Server ein, ohne die Fallen auszulösen. „Hier ist deine Akte, aber sie ist noch mit einem weiteren Passwort geschützt an dem ich nicht vorbeikomme“, erklärte er und blickte Louisa an. „Versuch es mit ‚Angel’“, sagte sie tonlos und starrte blicklos auf den Bildschirm. Jarod gab das Wort ein und die Akte wurde frei gegeben. Forschend blickte Jarod sie an. „Woher wusstest du das?“ fragte er und sah sie weiterhin an. „Angel“, sagte sie schon fast mit verträumter Stimme, „Das bin ich, wenn sie mich unter Drogen setzten. Ich werde zu Angel, wenn sie mir meine Gefühle nehmen und mich für die Simulationen benutzen. Sie ist ein Teil von mir.“
Louisa riss die Augen auf, als ihr Blick auf den Computerbildschirm fiel und sie schluckte krampfhaft. „Was ist?“ fragte Jarod erschrocken und blickte ebenfalls auf den Bildschirm. „Du ist Zachs Vater“, flüsterte Louisa leise hinter ihm, als ihm die Worte ebenfalls in die Augen stachen. „Sie wollten einen weiteren Pretender züchten.“
   

„Er ist kein Wunderkind. Zach hat nicht meine Anomalie in seinem Blut. Ich hab es überprüft“, sagte Louisa neben Jarod und er konnte die Angst in ihrer Stimme hören und sie in ihrem Gesicht sehen. Er zog ihr einen Stuhl heran und sie ließ sich darauf fallen ohne ihn anzusehen. Jarod nahm ihre Hand und drückte sie leicht, mehr konnte er nicht tun, um sie zu beruhigen. Seine Augen schweiften wieder zum Bildschirm und langsam sickerte auch in seinen Verstand, was dort schwarz auf weiß stand. Er hatte einen Sohn, er war von einem Moment auf den anderen Vater geworden. Unsicher strich er sich die Haare aus der Stirn und blickte wieder Louisa an. Sie hatte angefangen auf der Computertastatur zu tippen und sah aufmerksam auf das, was auf dem Bildschirm auftauchte.
„Sie wissen selbst, dass er kein Wunderkind ist“, sagte sie leise und deutete auf einen Eintrag. „Ich wusste nicht, dass sie ihn überhaupt untersucht hatten. Ich habe keinen Grund gewusst, warum sie es hätten tun sollen.“ Sie warf ihm einen Seitenblick zu und lehnte sich dann zurück. „Ich weiß nicht was ich sagen soll“, erwiderte Jarod auf diesen Blick, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und schloss die Augen. „Sie können mich immer noch mit ihm erpressen“, meinte Louisa und fügte sarkastisch ein leises ‚Was sie auch getan haben’ hinzu. „Wir müssen ihn hier weg und aus ihrer Reichweite bringen.“ Jarod sprach eindringlich auf Louisa ein, doch diese nickte ihm zustimmend zu. „Und du musst auch hier weg“, fuhr er fort. „Wie willst du das machen? Ich will nicht andauernd auf der Flucht sein wie du, Jarod. Mit einem Kind kann man nicht immer auf der Flucht sein“, sagte sie in einem verzweifelten Ton und ein kleiner Schluchzer entkam ihr.

„Ich werde das hinbekommen“, entgegnete er, „wenn du mir vertraust.“ Louisa konnte nur Nicken, da sie ihrer Stimme nicht vertraute. „Ich werde dich hier rausholen und dann bringe ich euch hier weg.“ Ein hoffnungsvoller Schimmer erschien in ihren Augen und sie richtete sich auf. „Können wir meine Pflegeeltern mitnehmen? Ich weiß nicht was das Centre mit ihnen macht, wenn ich weg bin. Sie wissen zu viel.“ Angst hatte sich wieder in Louisas Stimme geschlichen, doch Jarod nickte ihr zuversichtlich zu. „Wir bekommen das schon hin.“ Sie beugte sich vor, um ihm einen dankbaren Kuss auf die Wange zu geben, doch ihre Lippen landeten auf seinen und Louisa schloss die Augen und gab sich der Leidenschaft hin, die sich aus dem Kuss entwickelte. Plötzlich löste sie sich von Jarod und sah auf die Uhr. „Oh mein Gott. Sie kommen mich gleich holen.“ Hastig stand sie auf und ging zur Tür. Stockend hielt sie noch einmal an, als sie die Tür öffnen wollte und drehte sich zu Jarod um.
Er war ihr gefolgt und stand jetzt dicht hinter ihr. Sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren und streckte sich, um ihm ihre Arme um den Hals zu legen. „Bitte sieh nicht zu, wenn sie mich die Simulation machen lassen. Bitte sieh nicht zu“, bat sie eindringlich und sah ihm dabei in die Augen. Jarod nickte und küsste sie erneut. Louisa löste sich von ihm und verschwand aus seinem Zimmer, wobei sie nicht mehr sah, wie er einen Finger auf seine Lippen legte, wo vor einem Moment noch ihre gewesen waren.  

Polizeirevier West,

Portland, Maine
 

„Detective Gray, schön sie zu sehen“, sagte Detective Taylor lächelnd, als sie Jarod sah. „Haben sie mehr über den Fall von Louisa Andrews herausgefunden?“ Jarod nickte und zog sie in eine ruhigere Ecke auf dem Revier. „Ich habe herausgefunden, dass ihr Vorgesetzter Beweise gefälscht hat, um Miss Andrews in die Psychiatrie zu bringen. Er wurde bestochen, ebenso der Staatsanwalt“, erklärte er ihr leise. „Haben sie Beweise?“ fragte sie ihn aufgeregt und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Jarod reichte ihr einen Umschlag. „Sie wissen wem sie das geben müssen?“ Sie nickte und blickte verschmitzt drein. „Machen sie sich keine Sorgen. Ich regele das schon“, sagte sie und verschwand hinter einer Tür. Jarod drehte sich um und verließ das Revier.  


St. Peters Psychiatrie,

Portland, Maine  

Als Jarod nach seinem Besuch auf dem Polizeirevier wieder in die Klinik zurückkam, lief ihm Fred in die Arme, der ziemlich aufgeregt schien. „Was ist passiert?“ fragte Jarod und blickte ihm forschend ins Gesicht. „Louisa“, murmelte er und sah ihm nicht in die Augen, „Sie bringen sie zu den Engeln.“ Jarods Augen weiteten sich und er beschleunigte seine Schritte, um zu Louisas Zimmer zu gelangen. Dort angekommen riss er die Tür auf und blieb auf der Schwelle stehen. Louisa lag auf dem Bett und schüttelte sich als hätte sie Schüttelfrost. Dr. Jang stand neben ihr und hielt ihren Kopf fest, damit er nicht unkontrolliert herumrollen konnte. „Was ist mit ihr?“ Er trat vollkommen ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Der Arzt blickte auf und Jarod konnten den verzweifelten Ausdruck in seinen Augen sehen. „Ich weiß es nicht“, flüsterte er geschockt und hielt weiter Louisas Kopf fest. „Sonst verabreiche ich ihr immer diese Medikamente, bevor die Leute sie behandeln, aber diesmal hat das jemand anders gemacht. Ich glaube sie haben ihr zuviel gegeben.“
Jarod blickte in Louisas Gesicht und konnte den leeren Blick in ihren Augen sehen. Eine einzelne Träne lief ihr über die Wange und er zögerte nicht länger. Er griff in seine Tasche und holte das Fläschchen mit Kortison heraus, zog eine Spritze damit auf und verabreichte es Louisa. „Was machen sie da?“ fragte Dr. Jang. „Ihr hoffentlich helfen“, antwortete Jarod und setzte sich zu ihr aufs Bett. Er zog sie in seine Arme, hielt sie fest und beobachtete und fühlte, wie ihr Körper begann sich zu verkrampfen. Louisa bäumte sich in seinen Armen auf, ihr Atem kam stoßweise und ihr Kopf rollte auf seiner Schulter hin und her.

Jarod zog sie fester an sich und sah Dr. Jang unruhig im Zimmer auf und ab gehen. „Wer hat ihr die Medikamente gegeben?“ fragte er scharf und der Arzt zuckte zusammen. „Ein Mann mit einer Sauerstoffflasche kam herein und gab sie ihr. Er war schon ein paar Mal hier bei ihr. Kennen sie ihn?“ „Ja“, meinte Jarod bitter, „Sie arbeiten auch für das Centre?“ „Ja.“ Dr. Jang senkte den Blick. „Ich bin nicht gerade stolz darauf.“ Jarod richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Louisa, deren Krämpfe langsam nachließen und deren Augen sich langsam wieder klärten.

„Louisa“, sprach er sie vorsichtig an und sie versuchte ihn mit ihren Augen zu fixieren. „Ich werde gehen“, sagte Dr. Jang und er verließ das Zimmer auf ein Nicken von Jarod. Louisa schloss stöhnend die Augen und Jarod dachte schon sie würde sich übergeben, behielt ihren Mageninhalt, dann aber doch bei sich. „Hast du was gegen Kopfschmerzen?“ fragte Louisa leise, ohne die Augen aufzuschlagen. Er bettete sie vorsichtig auf die Kissen und holte ein Glas Wasser und eine Kopfschmerztablette aus seiner Tasche. Vorsichtig hielt er ihren Kopf, gab ihr die Tablette und hielt ihr das Glas an die Lippen. Nachdem sie die Tablette geschluckt hatte, zog Jarod Louisa wieder an sich und strich ihr über die Haare. Seufzend lehnte sie sich an ihn und entspannte sich. Kurze Zeit darauf war sie eingeschlafen, doch Jarod hielt sie immer noch fest und wachte über ihren Schlaf.  

Als Louisas Augenlieder sich flatternd hoben, schaute Jarod von seinem Computer auf. Er hatte die Verbindung zwischen dem Centre und Dr. Jang überprüft, doch nichts sehr aufschlussreiches entdeckt. Sie sah zu ihm rüber und lächelte ihn an, um sich dann vorsichtig aufzusetzen. Louisa fasste sich an seinen Kopf und verzog schmerzvoll das Gesicht. „Es fühlt sich an als hätte ich einen Kater“, murmelte sie leise und schwang die Beine aus dem Bett. „Es geht schon. Ich schaffe das“, sagte sie zu Jarod, der ihr zu Hilfe eilen wollte und ging schwankend ins Bad, um sich kaltes Wasser über den Kopf zu schütten und etwas zu trinken. Danach lehnte sie sich an den Türrahmen und sah zu ihm hinüber. „Wie lange war ich weggetreten?“ „Den ganzen Tag“, meinte Jarod und stand jetzt doch auf, um zu ihr zu gehen. Louisa lehnte den Kopf an seine Brust, schloss die Augen und atmete tief durch.

„Ich muss weg von hier“, sagte sie jetzt mit fester Stimme und sah ihn an, „Ich weiß nicht, wie lange ich das hier noch durchhalte.“ Jarod strich ihr vorsichtig über die Wange und nickte nur. „Was ist das?“ Louisa deutete auf einen Brief, der auf dem Tisch neben Jarods Laptop lag. Er lächelte geheimnisvoll und hielt ihr den Umschlag entgegen. Louisa runzelte die Stirn, begann den Brief zu lesen und langsam breitete sich ein hoffnungsvoller Ausdruck auf ihrem Gesicht aus. „Ist das wahr?“ fragte sie, mit von Erstaunen großen Augen, „Sie haben die Beweise noch mal geprüft und nichts Belastendes gefunden?“ Jarod lächelte sie an. „Es ist noch nicht ganz sicher, aber ich denke sie werden dich gehen lassen.“ Louisa jauchzte vor Freude auf und warf Jarod die Arme um den Hals und küsste ihn auf die Wange.
„Ich muss meine Pflegeeltern anrufen. Wir werden nicht viel Zeit haben, wenn das Centre das hier erfährt“, sagte sie und wedelte mit dem Brief in ihrer Hand. „Hast du einen Ort für uns gefunden?“ fragte sie dann und blickte ihn an. „Ja.“ Jarod drehte sich zu seinem Computer um und wollte ihr etwas zeigen, doch sie hielt ihn davon ab. „Es ist besser wenn ich es nicht weiß“, meinte Louisa leise und sah ihn dabei nicht an. Jarod erkannte diesen Wunsch stumm an und drang nicht weiter in sie. Er reichte ihr sein Handy, was sie mit einem dankbaren Lächeln quittierte und dann eine Nummer eintippte. Sie wandte sich zum Fenster um und sah nach draußen, während sie dem Klingeln lauschte. „George, kannst du eure und Zachs Sachen packen? Wir müssen hier weg.“  

The Centre,
Blue Cove, Delaware
 

„Miss Parker, Miss Parker.“ Broots lief aufgeregt durch die Halle auf sie zu und wurde von einem stechenden Blick begrüßt. „Wollen sie alle auf uns aufmerksam machen?“ fragte sie bissig und steuerte ihn in eine ruhigere Ecke. „Entschuldigung, Miss Parker“, sagte er etwas zerknirscht und blickte sich vorsichtig um. „Was ist denn?“ „Ich glaube ich habe Jarod gefunden“, erklärte er leise und lächelte. „Und wo ist er? Lassen sie sich nicht alles aus der Nase ziehen, Broots“, meinte sie genervt und schien ihn mit Blicken töten zu wollen. „Ich habe eine Spur von ihm in Portland, Maine gefunden. Er arbeitet dort als Pfleger in einer Psychiatrie.“ „Lassen sie den Jet klar machen. Wir fliegen nach Portland. Eine Psychiatrie, wie passend für unseren Wunderknaben“, sagte sie nur und drehte sich auf dem Absatz um.  


St. Peters Psychiatrie,

Portland, Maine
 

Louisa blickte strahlend zu Jarod, als sie ihre Entlassungspapiere in Empfang nahm. Sie waren auf dem Weg nach draußen, als eine Hand nach ihrem Arm griff. „Dr. Jang“, sagte sie etwas überrascht und gab Jarod mit einem Handzeichen zu verstehen, dass er sich nicht einmischen sollte. „Ich bin froh, dass du jetzt von hier weg kannst“, sagte er mit ehrlicher Freude in der Stimme. „Ich muss das Centre informieren, aber ich kann vielleicht noch eine oder zwei Stunden für dich rausschlagen. Mehr kann ich nicht tun.“ „Das ist schon mehr als genug. Ich danke ihnen“, meinte Louisa und nickte ihm dankend zu. Dann wandte sie sich um und verließ mit Jarod zusammen die Klinik.  


Haus der Peters,

Portland, Maine
 

Jarod klopfte an die Tür, eine lächelnde Louisa neben sich, als Isabelle, ihre Pflegemutter, öffnete. Louisas Lächeln verschwand, als sie den Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Pflegemutter sah. „Was meint sie?“ fragte Jarod, auf dessen Gesicht ein Stirnrunzeln erschienen war. „Es tut ihr leid. Was tut dir leid?“ Louisas Gesicht war versteinert und sie hatte ihre Augen weit aufgerissen, als sie Isabelle in den Flur des Hauses folgte. Diese wollte sie nicht ansehen und ihr traten Tränen in die Augen, während ihr Mann sie in die Arme nahm.
„Was ist passiert?“ fragte Louisa aufgebracht. „Wo ist Zach?“ George starrte betroffen auf den Boden und Jarod zog die Augenbrauen nach oben. „Er ist nicht hier“, brach es aus Louisas Pflegevater hervor. „Es kamen ein paar Männer in Anzügen und haben ihn einfach aus dem Haus geschleppt. In der Limousine saß noch ein anderer Mann mit einem Schlauch in der Nase.“ Isabelle drückte sich an ihren Mann und brach in Tränen aus.

„Raines“, stieß Jarod hasserfüllt hervor und schlug mit der Faust gegen die Wand. „Wie konnte er das herausfinden?“ Louisa fing an unkontrolliert zu zittern und schlang die Arme um sich selbst. „Zach“, brachte sie krächzend hervor und machte die anderen damit wieder auf sich aufmerksam. Jarod konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie zitternd auf den Boden sank.
             


Fortsetzung folgt…
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19 Nov : 13:44
Ich wünsche allen viel Spaß auf meiner Seite.
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27 Sep : 23:55
Viel Spaß mit der neuen Homepage, wünscht das roadnet.de Team
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