Pretender: Suche - Nenyas World


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Pretender: Suche
Fortsetzung von Pretender: Nicht allein


Haus der Peters,
Portland, Maine
 

Louisa saß wie gelähmt auf einem Stuhl im Wohnzimmer und starrte aus dem Fenster. Hinter ihr im Raum diskutierten Jarod und ihre Pflegeeltern darüber, wie sie Zach wieder finden könnten, doch sie kamen zu keinem Ergebnis. „Können sie herausfinden, wo sie Zach hingebracht haben, Jarod?“ fragte George gerade und Louisa blickte zu ihm. Jarod ging im Zimmer auf und ab und George und Isabelle saßen auf der Couch.

„Wir müssen alle weg von hier“, sagte sie plötzlich und warf die Starre, die sie befallen hatte, ab. Sie stand auf und legte ihre Hand auf Jarods Ärmel. „Ist der Ort den du für uns gesucht hast noch immer sicher?“ fragte sie leise und wirkte erleichtert, als Jarod zuversichtlich nickte. „Ihr müsst gehen“, sagte Louisa eindringlich, ließ sich vor ihren Pflegeeltern in die Hocke sinken und griff nach ihren Händen. „Ich bitte euch, bringt euch in Sicherheit“, bat sie, als sie widersprechen wollten. „Jarod und ich werden Zach schon finden, aber wir müssen so schnell wie möglich hier weg, weil bestimmt schon Leute vom Centre auf dem Weg hierher sind.“ „Sie hat recht“, meinte Jarod. George und Isabelle nickten langsam, standen auf und gingen mit Jarod aus dem Raum, der ihnen sagte, wo sie hinfahren sollten und half ihre Sachen ins Auto zu packen.
„Unsere Nachbarin wird auf den Möbelwagen warten und den Leuten sagen was sie noch alles einpacken sollen. Wo sollen wir sie hinschicken?“ fragte George gerade, als Louisa vor die Tür trat. „Geben sie ihr diese Adresse. Ich sorge dafür, dass die Sachen von dort weitergeschickt werden“, sagte Jarod und lächelte. Isabelle trat an Louisa heran und nahm sie in den Arm. „Pass auf dich auf“, signalisierte sie und Louisa konnte nur nicken. Auch ihr Pflegevater nahm sie in den Arm und dann waren sie auch schon verschwunden.
„Wir müssen auch los.“ Jarod fasste sie am Arm und drückte ihn kurz. „Ich will nur noch ein paar Sachen holen“, sagte sie, strich sich die Haare aus dem Gesicht und betrat das Haus erneut.
 

„Sucht sie.“ Miss Parker stieg aus dem Wagen und ging auf das Haus zu, während das Sweeper-Team die Umgebung absuchte. Eine Frau kam ihr entgegen, von Möbelpackern gefolgt. „Mrs. Peters?“ wollte sie wissen, doch die Frau schüttelte den Kopf. „Die sind vor ein paar Stunden weggefahren. Kommen auch nicht wieder“, murmelte sie und wies die Möbelpacker an weiter zu machen. „Jarod ist nicht hier“, sagte ein sich nähernder Sweeper und Miss Parker fluchte ungehalten. Sie stieg in ihr Auto und knallte ärgerlich die Tür hinter sich zu.
 

Irgendwo in Iowa  

Louisa rieb sich verschlafen die Augen und blinzelte in das Scheinwerferlicht der entgegenkommenden Autos. „Wo sind wir?“ fragte sie und streckte sich genüsslich. „Iowa“, antwortet Jarod und grinste über ihren Gesichtsausdruck. „Ich habe eine Spur von Zach in Montana gefunden. Hoffentlich haben sie ihn nicht schon irgendwo anders hingebracht.“ Louisa griff hinter den Sitz, holte die Thermoskanne hervor und schenkte sich einen Kaffee ein. Ein fragender Blick in Jarods Richtung brachte ihr ein Kopfschütteln ein und so schloss sie das Gefäß wieder. Sich an dem Becher festhaltend, sah sie aus dem Fenster und trank den Kaffee in kleinen Schlucken.
„Soll ich dich ablösen?“ fragte sie nach einem Moment der Stille, doch Jarod schüttelte wieder den Kopf. „Ich hab eine Pause eingelegt, während du geschlafen hast. Es ist zwar eine lange Fahrt, aber das Centre kann unsere Spur nicht so leicht verfolgen.“ Louisa nickte nur kommentarlos und widmete sich wieder ihrem Kaffee. „Vielleicht können wir dort noch etwas anderes tun“, meinte Jarod und hielt ihr ein rotes Buch entgegen. Sie stülpte den Becher wieder über die Thermoskanne, griff nach dem Buch und schlug es an der Stelle mit dem eingeklebten Zeitungsartikel auf.  

Taubstummer Junge aus Kindertagesstätte entführt  

Betroffen sah sie zu Jarod hinüber. „Wie lange ist das her?“ fragte sie angespannt. „Drei Tage“, sagte er und warf ihr einen kurzen Blick zu. „Besteht noch eine Chance ihn zu finden?“ „Ich hoffe es. Der Junge hat irgendwas gesehen und ist deswegen mit seiner Familie im Zeugenschutzprogramm gewesen.“ Louisa runzelte die Stirn, als sie über diese Neuigkeiten nachdachte. „Du meinst sie haben ihn gefunden?“ hakte sie noch einmal nach und lehnte sich bequemer im Autositz zurück. „Wir werden ihn finden“, sagte sie mit Zuversicht in der Stimme und Jarod wusste nicht, ob sie den Jungen oder ihren eigenen Sohn damit gemeint hatte.
 

Fair View Hotel,

Great Falls
, Montana  

„Es ist nicht besonders toll und hat nur ein Bett, aber es wird schon reichen.” Jarod zuckte bedauernd die Schultern, doch Louisa sah ihn nur lächelnd an. „Ich hoffe du schnarchst nicht“, meinte sie schmunzelnd und ließ sich seufzend aufs Bett fallen. An so lange Autofahrten war sie einfach nicht mehr gewöhnt. Plötzlich überkam sie eine übermächtige Sehnsucht nach ihrem Sohn, die sie trocken aufschluchzen ließ. „Ruh dich aus“, sagte Jarod neben ihr und strich ihr über das Gesicht. „Ich werde mich ein wenig umsehen.“ Dankbar nickend schloss Louisa die Augen und überließ sich den Gedanken an ihren Sohn.  

Jarod saß im Wagen und beobachtete ein Haus auf der anderen Straßenseite. Es war niemand zu sehen, doch er wusste, dass das Haus nicht unbewohnt war. Er hoffte, dass er mit seiner Vermutung richtig lag und er Zach hier finden würde. Er stellte mit Verwunderung fest, wie sehr er sich um die Sicherheit des Jungen sorgte. So musste sich auch sein Vater auf seiner langen Suche nach ihm gefühlt haben. Aufmerksam blickte er zum Haus, als sich dort ein Vorhang bewegte. Kurz tauchte ein Gesicht auf und blickte nach draußen und Jarod erkannte mit einem Kloß im Hals seinen Sohn Zach. Schnell wurde er von einem Arm im schwarzen Anzug zurückgezogen. In Jarods Kopf formte sich ein Plan, wie er seinen und Louisas Sohn retten und sie alle in Sicherheit bringen konnte, doch er hatte vorher noch eine andere wichtige Sache zu erledigen. Mit grimmigem Gesicht startete er den Wagen und fuhr zurück zum Hotel und zu Louisa.
 

Als Jarod das Hotelzimmer betrat, hatte Louisa die Unterlagen, die er über den verschwundenen Jungen gesammelt hatte um sich auf dem Bett ausgebreitet und sah sich alles genau an. Er lehnte sich an den Türrahmen, beobachtete sie und konnte sich nicht eines warmen Gefühls in der Magengegend erwehren, das in ihm aufstieg. Das Lächeln mit dem sie aufsah, sagte ihm, dass sie ihn längst bemerkt hatte. „Er ist ein hübscher Junge“, sagte sie leise und ihm zog sich das Herz zusammen, da er wusste, dass sie dabei auch an Zach denken musste. „Er heißt Jeremy“, antwortete er auf eine unausgesprochene Frage, ging zu ihr und ließ sich auf einem freien Platz auf der Bettkante nieder.
„Ich werde mich in der Tagesstätte umsehen. Du hast das sicher schon geregelt?“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und Jarod machte sich nicht die Mühe darauf zu antworten. „Morgen früh um sieben“, sagte er stattdessen und reichte ihr einen Ausweis. „Was besseres ist dir nicht eingefallen“, neckte Louisa ihn, als sie den Namen auf dem Ausweis sah. Louisa Pennyfeather. „Du musst noch los“, meinte sie mit zusammengekniffenen Augen und Jarod nickte. Ein schiefes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sich an den schwarzen Anzug im Schrank erinnerte. Jarod konnte nicht widerstehen und küsste sie auf ihre lächelnden Lippen, sanft wie die Berührung eines Schmetterlingsflügels. „Viel Glück“, murmelte sie an seinen Lippen und das Lächeln ließ ihre blauen Augen strahlen und Lichter darin tanzen. „Danke“, murmelte er ebenso leise und auch seine Augen glänzten.  

Kindertagesstätte „Sunflower
”,
Great Falls
, Montana  

Louisa betrat den Raum und sah sich lächelnd unter den ganzen Kindern um. Eine Frau kam auf sie zu und das Namensschild auf ihrer Brust wies sie als eine Betreuerin aus. „Miss Pennyfeather?“ „Nennen sie mich Louisa.“ Sie schüttelte der Frau die Hand und lächelte sie an. „Ich bin Alana“, stellte die andere Frau sich vor und lächelte ebenfalls. „Ich bin froh, dass sie so schnell einspringen konnten. Wir hatten Schwierigkeiten einen Ersatz für eine andere Betreuerin zu finden.“ Alana reichte ihr ein Namensschild, welches sich Louisa an die Bluse steckte. „Das sind Mary und Sophie, die anderen Betreuerinnen.“ Sie zeigte auf zwei weitere Frauen, die mit den Kindern beschäftigt waren. „Sie beherrschen die Gebärdensprache?“ fragte Alana und zog eine Augenbraue nach oben.
Louisa nickte lächelnd und sah sich im Raum um. „Es ist schön hier“, merkte sie an und blickte wieder zu ihrem Gegenüber. Ein kurzer Schatten verdunkelte Alanas Gesicht, war aber sofort wieder verschwunden. „Die Kinder sind alle noch ein wenig verstört seit Jeremy entführt wurde“, murmelte sie Louisa zu und blickte bekümmert drein. „Helfen sie uns, sie ein wenig aufzumuntern.“ „Sicher.“ Louisa hoffte noch mehr zu erfahren, doch sie wollte nicht nachbohren und zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Vielleicht konnten die Kinder ihr auch mehr über die Entführung erzählen, als die anderen Erwachsenen glaubten.

„Das sind Andrew, Sally und Sam.“ Die Kinder lächelten zu ihr hoch, als sie neben ihnen in die Hocke ging. „Ich bin sicher ich werde mich gut mit ihnen verstehen“, sagte Louisa und übersetzte ihre Worte gleichzeitig in die Gebärdensprache.
 

FBI-Außenstelle,
Boise, Montana

 
Jarod durchmaß mit großen Schritten die Eingangshalle der FBI-Außenstelle. Er lächelte den Männern am Metalldetektor zu und richtete mit einem schnellen Handgriff seine Krawatte. Das Namensschild wies ihn als Agent Jarod Klein aus, der extra für den Entführungsfall aus New York herbeordert worden war. Jarod schüttelte innerlich den Kopf darüber, wie einfach eine Bundesbehörde doch zu täuschen war. Er war froh, hier nicht auf Sam Waters zu treffen, da sie ihn sicher erkannt hätte.

In einem Büro im fünften Stock traf er auf die anderen Agenten, die auf der Suche nach dem verschwundenen Jungen waren. Sie nickten einander ernst zu und warteten still auf den verantwortlichen Agent. Mit einem ‚Setzen sie sich meine Herren’ betrat dieser den Raum und stellte sich neben eine Tafel auf der alle Hinweise zu sehen waren. „Gibt es irgendetwas Neues?“ fragte er und ließ seinen Blick über die versammelten Männer schweifen. Betretenes Schweigen breitete sich im Raum aus und alle blickten zu einem älteren Agent, der anscheinend die Rolle des Sprechers innehatte.
„Im Moment nicht, Sir“, sagte er leise und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. „Die Kinder konnten uns nicht viel sagen und die Auswertung von dem Überwachungsvideo hat auch nichts gebracht. Unsere bisherigen Spuren führen alle ins Nichts.“ Seufzend rang er seine Hände und machte einen niedergeschlagenen Eindruck. Der leitende Agent schlug wütend mit der Faust auf den Tisch. „Das kann doch nicht alles sein“, brüllte er und fast alle in der Runde zuckten zusammen. Jarod lehnte sich zurück und betrachtete die Tafel, auf der herzlich wenige Informationen standen. „Haben sie etwas hinzuzufügen Agent Klein?“ schnitt die Stimme des leitenden Agenten durch die Stille.
„Das habe ich in der Tat“, meinte Jarod und legte die Fingerspitzen vor seinem Gesicht zusammen. „Auf dem Überwachungsvideo sieht man zwar nicht das Gesicht des Mannes, der Jeremy entführt hat, aber man kann deutlich sehen, dass er sein rechtes Bein hinter sich herzieht, was auf eine Knieverletzung schließen lässt.“ Die anwesenden Agenten sahen ihn ungläubig an und einer legte schnell die Kassette in den Videorekorder und ließ das Band laufen. „Gut beobachtet“, dröhnte die Stimme des leitenden Agenten hinter seinem Rücken und Jarod verzog das Gesicht, als der Mann ihm kräftig auf die Schulter schlug. „Los gehen sie dem nach“, wies er einen anderen Agenten an und entließ die anderen mit einer Handbewegung aus der Einsatzbesprechung. „Ich wollte mich noch einmal vor Ort umsehen, Sir“, meinte Jarod und blickte sein Gegenüber fragend an. „Sicher, tun sie das. Wir können jede Hilfe in diesem Fall brauchen, die wir bekommen können.“ Jarod wandte sich um und verließ mit beschwingtem Schritt den Raum.  

The Centre,

Blue Cove, Delaware  

„Er war schon weg, als wir in Portland angekommen sind“, sagte Miss Parker verärgert, als sie den Raum betrat, in dem sich Sydney und Broots aufhielten. „Gibt es irgendwelche Hinweise darauf, wo er jetzt sein könnte?“ Sydney reichte ihr ein Foto, das sie in Jarods letzter Unterkunft gefunden hatten. Miss Parker sah es sich an und runzelte die Stirn. „Wer ist das?“ fragte sie und drehte das Bild um. „Es ist aus dem Centrearchiv.“ „Es ist möglich, dass Jarod im Moment nicht allein unterwegs ist“, meinte Sydney und deutete auf das Bild. „Das ist Louisa. Sie gehört zu den Wunderkindern, zeigte aber nie so eine große Begabung wie Jarod. Wir haben herausgefunden, dass sie sie nach Jarods Verschwinden vermehrt Simulationen durchführen ließen.“ Broots rieb sich schaudernd über die Arme. „Was ist noch?“ fragte Miss Parker mit angespannter Stimme und sah zwischen beiden hin und her. „Sie ist nicht mehr da“, erklärte Broots. „Der Centremitarbeiter in der Klinik, wo sie untergebracht war, hat gesehen wie sie zusammen mit Jarod verschwunden ist.“
Miss Parker strich sich die Haare hinter die Ohren und sah sich noch einmal das schon etwas ältere Foto an. „Sie kommt mir so bekannt vor“, murmelte sie leise vor sich hin. „Das sollte sie auch, Parker. Sie haben früher hier mit ihr gespielt.“
     

Kindertagesstätte „Sunflower”,

Great Falls, Montana
 

Andrew, Sally und Sam saßen malend an einem Tisch in der Kindertagesstätte und lächelten ab und zu Louisa zu, die ihnen dabei zusah. Sie hatte sich mit den Kindern unterhalten und sich mit ihnen angefreundet. Viele hielten taube Kinder für zurückgeblieben, doch sie wusste, dass dem nicht so war. Man konnte in ihren Augen sehen, wie intelligent sie wirklich waren und wie viel Spaß sie am Leben hatten. Von den Dreien hatte sie erfahren, dass Jeremy ihr Freund gewesen war und sie immer miteinander gespielt hatten.
Als sie aufsah, entdeckte sie Jarod in der Tür, der sich gerade mit Alana unterhielt. Er blinzelte ihr verschwörerisch zu, worauf sie grinsen musste. Alana winkte sie zu sich herüber und sie bedeutete den Kindern einfach weiter zu malen. „Louisa das hier ist Agent Klein vom FBI. Er möchte noch einmal mit den Kindern reden.“ „Natürlich. Ich werde mit ihnen nach draußen gehen“, antwortete sie und deutete auf eine Tür, die auf den Spielplatz hinausführte. Als sie wieder zu den Kindern ging, sah sie Jarod schon hinausgehen und konnte ein bewunderndes Seufzen nicht unterdrücken. Alana grinste sie an und zwinkerte ihr wissend zu. „Kommt ihr mit?“ fragte sie die Kinder, als sie wieder bei ihnen war. „Der Agent da draußen möchte euch ein paar Fragen über Jeremy stellen. Ist das in Ordnung?“ Die Kinder nickten und folgten ihr nach draußen, wo Jarod sich an einen der vielen Tische gesetzt hatte.

„Hallo ich bin Jarod“, stellte er sich vor und die Kinder sahen aufmerksam zwischen ihm und Louisa hin und her, da sie seine Worte in die Gebärdensprache übersetzte. „Könnt ihr mir erzählen was an dem Tag passiert ist, als Jeremy von dem Mann mitgenommen wurde?“ Sally legte den Kopf zur Seite und man sah förmlich wie sie überlegte. „Wir haben wie sonst auch draußen gespielt“, übersetzte Louisa ihre Zeichen und behielt sie dabei genau im Auge, um alles richtig zu verstehen. „Was ist dann passiert?“ fragte Jarod sanft, ohne die Kinder zu bedrängen. „Da war auf einmal so ein komischer Mann“, meinte Andrew und runzelte leicht die Stirn. „Er zog ein Bein nach und war so angezogen wie sie.“

Auf Louisas fragenden Blick nickte er. Das entsprach dem Mann auf dem Überwachungsvideo und er war nicht erstaunt darüber, wie genau Kinder beobachten konnten, wenn dieser Sinn besonders geschärft war. „Er hatte Zuckerwatte in der Hand“, meldete sich nun Sam zu Wort und Louisa musste über seine großen Gesten lächeln. „Unsere Eltern haben uns gesagt, wir sollen nichts von Fremden nehmen, aber Jeremy hatte sich mit seinen Eltern gestritten und so ist er mit dem Mann mitgegangen.“ Die Besorgnis auf Jarods Gesicht sprach Bände und auch Louisa begann sich unwohl zu fühlen. Sie zwinkerte verwirrt, als Sally ihr ein Bild mit einem Auto darauf reichte und sah diese fragend an. Sally zeigte ihr etwas und Louisa schickte sie mit einem Kopfnicken wieder rein und zu ihren geliebten Buntstiften. „Was ist?“ drängte Jarod sie und Louisa reichte ihm das Bild. „Das ist das Auto, in dem der Mann Jeremy mitgenommen hat. Sie wusste sogar noch das Nummernschild“, meinte sie und lächelte ihn an. Jarod drückte erfreut ihre Hand und erhob sich. „Ich werde dem nachgehen. Vielleicht ist das die entscheidende Spur, die wir noch brauchten.“
„Viel Glück.“ Louisa küsste ihn auf die Wange und sie trennten sich. Auf der Terrasse sah sie eine unbekannte Frau stehen, die sie beobachtete. „Ist das der Agent, der meinen Sohn sucht?“ fragte sie, als Louisa neben ihr stand und die Tränen waren ihrer Stimme anzuhören. Mit Jeremys Mutter hatte Louisa nicht gerechnet, doch sie drückte der Frau beruhigend die Hand. „Wir haben uns an dem Tag über seine Kleidung gestritten, als er verschwunden ist. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich ihm gesagt habe, dass ich ihn liebe.“ Sie schluchzte unterdrückt und legte eine Hand auf ihre Kehle. „Er ist der Beste darin Leute zu finden“, versicherte ihr Louisa. „Er wird ihren Sohn finden.“  

Fair View Hotel,

Great Falls, Montana
  

Louisa lag gemütlich auf dem großen Bett und sah fern. Sie hatte Jeremys Mutter so gut wie möglich beruhigt und sie wieder nach Hause geschickt. Als die Tür knarrte, sah sie auf und sah Jarod hereinkommen. Er hatte eine etwas ungesunde Hautfarbe und presste eine Hand auf seine Schulter. Louisa eilte zu ihm, manövrierte ihn auf einen Stuhl und sah sich an was passiert war. „Es ist nichts“, versuchte er abzuwinken, verzog jedoch schmerzhaft das Gesicht. „Wo hast du dir das denn eingefangen?“ murmelte sie und legte die Wunde frei, wobei sie entdeckte, dass es eine Schusswunde war. „Musst du dich immer anschießen lassen“, schimpfte sie dann und schlug ihm auf die andere Schulter, bevor sie im Bad verschwand und den Erste- Hilfe Kasten holte. „Ich hab mir das nicht ausgesucht“, sagte Jarod und hob einen Mundwinkel zu einem halben Lächeln, zuckte jedoch zusammen, als Louisa die Wunde desinfizierte.
„Ist zum Glück nur ein Streifschuss“, meinte sie dann und steckte den Verband fest. „Hast du ihn gefunden?“ fragte sie dann. „Die Spur war gut, aber wir haben ihn noch nicht gefunden. Das FBI sucht weiter, aber der Kugelhagel in dem ich gelandet bin, hält mich kurzfristig davon ab, weiter zu suchen. Und nicht nur das“, murmelte er dann leise und zog Louisa auf seinen Schoß. Sie sah ihn etwas erstaunt an, dieser Ausdruck verschwand aber von ihrem Gesicht, als Jarod sie zärtlich küsste. Als sie sich an ihn lehnte, streifte sie kurz seine verletzte Schulter und er zog zischend den Atem ein, doch er hörte nicht auf mit den Händen über ihren Körper zu streichen. Sie standen auf und torkelten halb zum Bett, weil sie sich fest aneinander klammerten und dabei nicht aufhörten sich zu küssen. Louisa löste sich von Jarod, als sie die Bettkante in ihren Kniekehlen spürte und plumpste dann rückwärts auf das weiche Bett, doch Jarod war gleich wieder neben ihr. Auch ihre Hände fuhren in einem Tanz über seinen Körper und seine Oberschenkel, wobei sie an seiner Hose nestelte.
 
Jarod zog ihr das T-Shirt über den Kopf und sie hob ihre Hüften, um ihm beim Ausziehen ihrer Hose zu helfen. Keuchend holten beide Atem und Jarod ließ einen anerkennenden Blick über Louisa schweifen. Auch sie musterte Jarod eingehend und strich lächelnd sein Shirt nach oben, wobei sie sanft über seine Bauchmuskeln fuhr. Sie kicherte leise, als Jarod unter ihren Händen erzitterte, denn sie wusste nicht, dass er kitzlig war. Er rächte sich jedoch sofort dafür und Louisa verlor auch noch ihre Unterwäsche. „Du hast noch viel zu viel an“, murmelte sie an seinem Hals und erschauerte unter seinen Berührungen. „Das kann ich ändern“, sagte er und schaute zu ihr auf. Louisa beobachtete ihn dabei, wie er den Rest seiner Kleidung ablegte und sich dann wieder zu ihr beugte um sie zu küssen.
Unter seinen Berührungen hatte Louisa das Gefühl zu verbrennen und nur Jarod in sich zu spüren würde diesen süßen Schmerz vergehen lassen. Ungeduldig zog sie an seinen Haaren und mit einem kehligen Lachen gab er ihr nach. Auch Jarod konnte sich nun nicht mehr zurückhalten und drang in sie ein. Sie fanden zusammen die Erlösung und blieben mit verworrenen Gliedmaßen erschöpft liegen.
 
Louisa wachte in Jarods warmer Umarmung auf und dachte lächelnd an die Ereignisse der letzten Nacht. Schlafend wirkte er viel friedlicher, als wenn ihn die Erinnerungen im Wachsein quälten. Vorsichtig streckte sie ihre empathischen Sinne aus um seine Gefühle zu ergründen, was sie nicht sehr häufig bei anderen Menschen tat. Sie war nicht erstaunt über das, was sie fand, denn sie wusste, dass sie nie den ersten Platz in seinem Herzen einnehmen würde. Dieser Platz war schon seit seiner Kindheit an jemand anderen vergeben, aber sie spürte, dass er auch sie aufrichtig liebte und irgendwie stolz war einen Sohn zu haben. Louisa zog sich wieder aus Jarods Gefühlen zurück und schenkte ihm ein sanftes Lächeln, als er aufwachte und sie anblickte. Er lächelte zurück, strich ihr übers Haar und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Du wirst ihn finden“, sagte sie leise und meinte damit nicht nur den verschwundenen Jungen.  

FBI-Außenstelle,
Boise, Montana
 

„Wie geht es der Schulter?“ fragte der leitende Agent und Jarod zuckte mit dem gefragten Objekt. „Ich hatte schon schlimmere Verletzungen“, antwortete er und sah sich im Raum um. Man konnte die Spannung förmlich knistern hören. Jeder wartete auf weitere Informationen, auf den entscheidenden Hinweis, der sie zu dem Jungen führen würde. Eine Bewegung an der Tür lenkte seine Aufmerksamkeit dorthin und er sah Louisa im Türrahmen stehen und nach ihm Ausschau halten. Er ging auf sie zu und auch sie hatte ihn gesehen und bahnte sich einen Weg durch die Leute.
„Wie bist du hier rein gekommen?“ fragte er leise und schob sie am Arm beiseite. „Auf dem gleichen Weg wie du“, erwiderte sie ebenso leise und er sah das spöttische Aufblitzen in ihren Augen, bevor sie die Wimpern senkte und somit ihre Augen verbarg. „Ich habe vielleicht etwas, dass euch helfen kann Jeremy zu finden“, meinte Louisa schnell, bevor Jarod irgendetwas sagen konnte. Aufregung blitzte in seinem Blick auf und Louisa beeilte sich ihm zu erzählen, was sie herausgefunden hatte. „Ich hab mir noch mal den Platz angesehen, wo das Auto stand und habe dort das hier gefunden.“ Sie hielt ihm ein Stück Papier in einer kleinen, durchsichtigen Plastiktüte entgegen. Jarod nahm es von ihr entgegen und sah es sich genauer an. „Es ist ein Parkschein für ein bestimmtes Gebiet in der Stadt“, meinte Louisa.
„Das bekommen alle Hausbewohner, damit sie auch einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung bekommen. Ich denke an der Nummer kann man herausfinden, wem der Parkplatz gehört.“ Sie strahlte ihn an und Jarod konnte nicht anders, als zurück zulächeln. „Du bist toll“, murmelte er und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Zusammen drängten sie sich zum leitenden Agenten durch und auch er war von der neuen Information begeistert. Im Raum wurde es plötzlich geschäftig wie in einem Bienenstock, als Finger auf Tastaturen klapperten und alle Telefone gleichzeitig benutzt wurden.
„Wir haben eine Adresse“, rief ein Agent plötzlich und schwenkte einen Zettel hin und her. „Rufen sie das Einsatzkommando zusammen“, brüllte der leitende Agent und brachte die Männer und Frauen im Raum auf Trab. „Machen sie sich fertig, wir rücken aus. Hat irgendjemand den Übersetzer für Gebärdensprache gesehen?“ „Ich kann das machen“, mischte sich Louisa ein und trat vor. Der Agent betrachtete sie kurz und nickte dann zustimmend. „Sie passen auf sie auf, Agent Klein“, wies er Jarod an und alle verließen den Raum.   

„Da dort ist er“, brüllte der leitende Agent und deutete nach vorne. Jarod lief mit den anderen FBI-Agenten hinter ihrer Zielperson her, wobei sie ihm stetig näher kamen. Der Mann hatte sie noch nicht bemerkt und ging ruhig mit einem Jungen an der Hand weiter. Sie kreisten ihn vorsichtig ein und als der Mann sie sah, versuchte er panisch zu fliehen, doch sie ließen ihm keine Chance dazu. Alles ging auf einmal ganz schnell und sie konnten Jeremys Entführer ohne Probleme festnehmen. Jarod ging zu Jeremy, der etwas verwirrt dastand und lächelte ihn beruhigend an.

Louisa tauchte neben ihm auf und fragte den Jungen etwas in der Gebärdensprache, woraufhin dieser lächelte und ihre Hand nahm. „Es geht ihm gut. Ihm ist nichts passiert“, seufzte sie und Jarod legte einen Arm um ihre Schulter. Jeremy wollte wissen, ob er bald wieder zu seinen Eltern könne und war erfreut zu hören, dass sie ihn bald abholen würden. Jarod kaufte ihm ein Eis und er setzte sich zufrieden auf eine Bank, wo er von Louisa im Auge behalten wurde. „Wie geht es deiner Schulter?“ fragte sie Jarod leise und schmiegte sich an ihn. „Besser. Es tut noch weh, aber das geht auch vorbei. Ich bin froh, dass wir ihn gefunden haben.“ „Du kannst jeden finden und du kannst alles tun was du willst“, murmelte sie ein wenig traurig und wischte Jeremy das Gesicht mit einem Taschentuch ab. Jarod fasste sie am Arm und brachte sie dazu ihn anzusehen. „Du kannst das auch“, sagte er mit Überzeugung und Louisa sah in seinen Augen, dass er es auch meinte.
„Wer war der Mann?“ lenkte sie vom Thema ab und sah ihn fragend an. „Er ist ein Wiederholungstäter. Er hat schon mal kleine Kinder belästigt, aber noch nie jemanden entführt. Dafür kommt er jetzt ganz sicher ins Gefängnis.“ Der leitende Agent kam lächelnd auf sie zu und schüttelte Jarod die Hand. „Gute Arbeit, Agent Klein. Wenn es ihnen in New York mal zu langweilig wird, dann kommen sie doch einfach zu uns.“ „Ich werde darüber nachdenken“, antwortete Jarod unverbindlich und sah sich um, wobei er Jeremys Eltern herbei eilen sah. Der Junge hatte sein Eis mittlerweile aufgegessen und lief freudig seinen Eltern entgegen. Seine Mutter schloss ihn weinend in die Arme und sein Vater strich ihm über den Kopf, wobei er ebenfalls Tränen in den Augen hatte.
Jarod und Louisa wollten sich schon zum Gehen wenden, da sie nicht mehr gebraucht wurden, weil Jeremys Eltern jetzt da waren, doch Jeremys Mutter kam auf sie zu und schüttelte Jarod dankbar die Hand. „Danke, dass sie ihn gefunden haben“, sagte sie unter Tränen. „Und auch ihnen danke ich, dass sie für ihn da waren“, meinte sie zu Louisa und umarmte sie kurz. Louisa hatte einen verträumten Ausdruck in den Augen, als sie zu Jarod aufblickte. „Ich hatte vergessen wie schön es ist Menschen zu helfen“, seufzte sie und hakte sich bei Jarod unter. „Es gibt nichts schöneres“, stimmte er ihr zu und sie entfernten sich von Jeremy und seinen Eltern. „Und jetzt werden wir Zach holen.“   
   

The Centre,

Blue Cove, Delaware

 
„Miss Parker.“ Broots kam gefolgt von Sydney in ihr Büro geeilt und hielt einen Zettel in der Hand. „Was ist?“ fragte sie und kniff die Augen zusammen. „Wir haben Jarod gefunden“, erklärte Sydney an Broots Stelle und sah recht vergnügt aus. „Und?“ wollte Miss Parker ungeduldig wissen und stand aus ihrem Stuhl auf. „Ich habe ihn gefunden, weil er ein Flugzeug auf Kosten des Centres gemietet hat. Niemand sonst aus dem Centre hat ein Flugzeug gechartert und…“ Miss Parker hob die Hand, um ihn zu unterbrechen, was ihr auch problemlos gelang. „Wo ist er?“ fragte sie scharf und sah zwischen Broots und Sydney hin und her. „Er ist in Montana“, meinte Sydney und ein erfreutes Lächeln erschien auf Miss Parkers Gesicht. „Lassen sie den Jet klar machen Broots. Wir fliegen nach Montana und diesmal kriegen wir ihn.“ Beschwingt verließ sie mit den beiden Männern ihr Büro.  

Fair View Hotel,

Great Falls, Montana  

„Du weißt wo er ist?“ fragte Louisa leise und rutschte auf dem Stuhl in ihrem Hotelzimmer hin und her. Es war mittlerweile Abend geworden und die letzten Strahlen der Sonne erhellten den Raum. „Ja“, antwortete Jarod auf ihre Frage, während er sich umzog. „Er ist ziemlich stark bewacht, doch ich denke, dass ich ihn da raus bekomme. Jemand schuldet mir noch einen Gefallen.“ Als er sich zu Louisa umdrehte und ihren traurigen Blick sah, trat er zu ihr und schloss sie in die Arme. „Alles wird gut“, murmelte er in ihre Haare und konnte spüren, wie sie sich unter seiner Berührung entspannte. „Ich schätze mal du lässt mich nicht mitgehen“, sagte sie an seiner Schulter und Jarod ließ sie los, um in ihr Gesicht zu sehen. „Nein. Ich will nicht, dass dir etwas passiert“, sagte er ernst und Louisa fügte sich in seine Entscheidung, auch wenn sie eigentlich nicht damit einverstanden war. „Ich werde unsere Sachen packen, während ich warte“, meinte sie dann und stand auf. Jarod wandte sich zur Tür, blieb jedoch mit der Hand auf der Klinke stehen und schaute noch einmal zurück. Louisa sah ihm hinterher und er konnte sehen, dass sie versuchte nicht zu weinen. „Ich weiß nicht wie lange ich warten kann“, erklärte sie und drehte ihm dann den Rücken zu. Jarod verließ ohne ein weiteres Wort den Raum.  

Jarod saß wieder in seinem Wagen und sah zu dem Haus auf der anderen Straßenseite hinüber. Er wusste mittlerweile, dass sich fünf Sweeper dort befanden, die ein Auge auf Zach hatten. Eine schattenhafte Gestalt bewegte sich auf das Haus zu und spähte in das Fenster neben der Tür. Jarod lächelte, denn er wusste, wer dort rum schlich. Leise stieg er aus dem Wagen aus und ging um das Haus herum, zu dessen Rückseite. Von der Vordertür konnte er jetzt ein lautes Klopfen hören und dem folgten Stimmen. Er hoffte, dass die Sweeper von Samuel, einem Freund, genug abgelenkt würden und er Zach ohne große Schwierigkeiten aus dem Haus holen konnte.

Die Hintertür war nicht verschlossen und den Sweeper in der Küche schlug Jarod lautlos und schnell nieder. ‚Einer weniger’, dachte er ironisch und bewegte sich leise weiter. Er wusste nicht genau ob Zach oben oder unten war, also musste er ihn so schnell wie möglich suchen. Vorsichtig spähte er nacheinander in alle Räume und erledigte noch zwei weitere Sweeper. Die Stimmen an der Tür waren noch immer nicht verstummt und die Treppe war zum Glück nicht von der Vordertür einsehbar. Mit einem beherzten Griff erledigte Jarod auch noch den Sweeper der an der Treppe stand. Er ließ ihn zu Boden gleiten und versuchte dabei kein Geräusch zu machen, damit der verbliebene Sweeper ihn nicht bemerkte. Im letzten Zimmer fand er Zach friedlich schlafend vor und der Junge machte auch keinen Laut, als Jarod ihn aufweckte. Er erkannte ihn sofort wieder und legte ihm die Arme um den Hals.

Jarod hob ihn hoch und stellte fest, dass er immer noch angezogen war. Der Junge blieb weiterhin still, während Jarod ihn die Treppe hinunter trug und dann zusammen mit ihm das Haus verließ. Als er Zach in den Wagen gesetzt hatte, gab er Samuel ein Zeichen und dieser zog sich von der Tür zurück. Erleichtert seufzte er und machte sich wieder auf den Weg zum Hotel und zu Louisa.
 

Louisa starrte in dem kleinen Bad im Hotelzimmer in den Spiegel. Ihr Kopf war wie leer gefegt und sie musste ihre Hände auf das Waschbecken aufstützen, damit diese nicht zitterten. Das Objekt ihrer Gefühlsregung war schon im Papierkorb verschwunden, doch das Ergebnis zeigte immer noch seine Nachwirkungen. Einer Eingebung folgend ging sie in das Zimmer und suchte sich einen Zettel und einen Umschlag. Es fiel ihr unendlich schwer, die paar Worte auf das Papier zu schreiben, doch ihr
  blieb nichts anderes übrig, wenn der Ernstfall eintrat. Ein Geräusch an der Tür ließ sie aufsehen und sie steckte den Umschlag schnell in ihre Tasche.
„Mummy.“ Tränen traten in Louisas Augen, als sie ihren Sohn erblickte, der auf sie zugelaufen kam. Sie öffnete ihre Arme und drückte ihren Sohn glücklich an sich. Als sie aufblickte, sah sie auch in Jarods Augen einen feuchten Schimmer und lächelte ihm dankbar zu. „Ich hab dich so vermisst“, flüsterte sie Zach zu, da sie ihrer Stimme nicht vertraute. „Haben sie dir wehgetan?“ Er schüttelte den Kopf und drückte sich an sie.
„Wir müssen los“, riss Jarod sie aus ihrer Wiedersehensfreude und Louisa nickte ihm zu. Er nahm die gepackten Taschen vom Bett und brachte sie zum Auto hinaus. Louisa konnte sich an ihrem Sohn nicht satt sehen, doch sie musste noch etwas Wichtiges mit ihm besprechen. „Zach?“ lenkte sie seine Aufmerksamkeit auf sich und sah ihn ernst an. „Du weißt, dass wir von bösen Leuten verfolgt werden“, fing sie an und wartete auf seine Antwort. „Die, die mich gefangen gehalten haben?“ fragte er und Louisa nickte. „Es kann sein, dass wir es nicht schaffen alle zu fliehen und dann bin ich wahrscheinlich diejenige, die zurückbleibt“, erklärte sie und wischte Zach ein paar Tränen fort. „Ich will, dass du in Sicherheit bist und würde alles dafür tun“, sagte sie leise und ihr Sohn nickte ihr ernst zu. Louisa wusste, dass er sie verstehen würde und zog den Umschlag aus ihrer Tasche.
„Gib den Jarod, wenn ich nicht mitkommen kann, mein Schatz.“ Zach nickte erneut und steckte den Umschlag ein. Louisa stand auf, reichte ihm die Hand und verließ zusammen mit ihm das Zimmer. Am Wagen wartete schon Jarod und als sie eingestiegen waren, brauste er los in Richtung Flugplatz.     

Privater Flugplatz ‘Sunshine’,
Great Falls, Montana
 

„Los beeilt euch“, rief Jarod, sprang aus dem Auto und zog Zach aus dem Auto. Louisa stieg an der anderen Seite aus dem Auto und lief mit ihrem Sohn und Jarod zu der wartenden Maschine. Jarod öffnete die Tür, des kleinen Flugzeuges, das er sich ausgeliehen hatte und ging nach vorne ins Cockpit. Louisa hob ihren Sohn ins Flugzeug und blickte über ihre Schulter zurück. Sie erstarrte, als sie die schwarzen Wagen auf der anderen Seite der Flugplatzumzäumung sah. Schnell schob sie ihren Sohn zu Jarod ins Cockpit und schnallte ihn am Sitz fest. „Gib mir die Waffe“, flüsterte sie in sein Ohr und er sah erschrocken von seiner Checkliste auf. „Gib sie mir“, forderte sie noch einmal nachdrücklich und streckte die Hand aus.
Jarod gab ihr die Waffe, doch sie sah den Widerwillen in seinen Augen. „Sie sind schon zu nah“, sagte sie verzweifelt und diese Verzweiflung spiegelte sich in dem Kuss, den sie Jarod gab. „Wir können es zusammen schaffen“, erklärte Jarod, doch Louisa sah den leisen Zweifel in seinen Augen. „Ich mache das.“ Sie hielt ihn zurück, als er sich aus dem Sitz erheben wollte. „Du musst Zach von hier wegbringen. Ich kann die Maschine nicht fliegen, du schon. Rette unseren Sohn“, flehte sie und Jarod wandte sich wieder den Kontrollen zu. Louisa küsste den Kopf ihres Sohnes und ging zurück zur Tür. Die Autos waren näher gekommen und drohten die Fahrbahn zu blockieren. Jarod stand auf einmal hinter ihr und drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen. „Ich liebe dich“, flüsterte sie ihm mit belegter Stimme zu und stieg aus dem Flugzeug. Sie hörte noch wie er die Tür mit einem Knall hinter ihr schloss und die Motoren anließ, dann konzentrierte sie sich auf das Auto, welches ihr am nächsten war. Louisa ging auf sie zu und zielte mit ausgestrecktem Arm auf die Reifen. Sie spürte den Rückschlag der Waffe kaum und lächelte kalt, als sie den Erfolg ihres Schusses sah. Bis es keinen Schuss mehr im Magazin gab, feuerte sie auf die Wagen und ließ die Waffe dann fallen. Als sie sich wieder zu dem Flugzeug umdrehte, hatte es schon Geschwindigkeit gewonnen und hob ab.
Sie spürte wie die Sweeper sich ihr näherten, doch sie drehte sich nicht zu ihnen um, selbst nicht, als sie eine Hand auf ihrem Arm fühlte. Louisa sah dem Flugzeug hinterher, bis es in den Wolken verschwand und hoffte das sie irgendwann wieder mit ihrem Sohn vereint sein würde. Als sie den Kopf wandte blickte sie in die Augen von Miss Parker. Ein freudloses Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sich umdrehte und auf eines der Autos zuging. Ohne Widerstand stieg sie ein und dachte darüber nach, dass Freiheit doch ein seltsames Ding war.
    

Irgendwo über Amerika
 

„Jarod?“ Er blickte zu Zach hinüber und lächelte ihn an. Jarod konnte immer noch nicht glauben, dass dies sein Sohn war, der neben ihm im Cockpit des Flugzeuges saß. „Was ist los?“ fragte er dann und sah Zach unbehaglich in seinem Sitz hin und herrutschen. „Mummy hat gesagt ich soll dir das hier geben, wenn sie nicht mitkommen kann“, murmelte er leise und hielt ihm einen Umschlag hin. Jarod löste eine Hand vom Steuer, griff nach dem Umschlag und öffnete ihn. Ein kleiner Zettel rutschte ihm entgegen und es schnürte ihm die Kehle zu, als er Louisas Handschrift erkannte. Als er die Worte auf dem Zettel las, musste er sich mit Macht darauf konzentrieren das Flugzeug weiter zu fliegen und es nicht vom Kurs abzubringen.
‚Ich bin schwanger. Was soll ich tun?’ 

 
    
Fortsetzung folgt…
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bullet Admin
19 Nov : 13:44
Ich wünsche allen viel Spaß auf meiner Seite.
bullet roadnet
27 Sep : 23:55
Viel Spaß mit der neuen Homepage, wünscht das roadnet.de Team
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