Pretender: Erinnerungen - Nenyas World


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Pretender: Erinnerungen
Fortsetzung von Pretender: Nicht allein und Pretender: Suche


The Centre,
Blue Cove, Delaware
 

Louisa fuhr von ihrem Bett hoch und schlug die Augen auf. Als sie wieder wusste wo sie sich befand, ließ sie sich mit einem unterdrückten Stöhnen in die Kissen zurücksinken. Wenigstens hatte man ihr ein Zimmer mit einem Fenster gegeben, dachte sie zynisch und schirmte ihre Augen gegen die einfallenden Sonnenstrahlen ab. Miss Parker hatte ihr gestern auf dem Weg ins Centre noch einige Fragen gestellt, hatte dann jedoch damit aufgehört, als Louisa ihr keine Antworten gab.

Auch jetzt noch fanden in ihren Gedanken nur Jarod und Zach einen Platz und die Angst, dass sie es vielleicht nicht geschafft hatten, in Sicherheit zu gelangen. In einer schützenden Geste legte sie die Hand auf ihren Bauch, in dem jetzt ein neues Lebewesen heranwuchs. Mit geschlossenen Augen betete sie darum das Baby nicht als Druckmittel gegen das Centre einsetzen zu müssen, doch sie hatte das Gefühl, dass ihr vielleicht keine Wahl blieb. Mit einem Seufzen schwang sie die Beine über die Bettkante und setzte sich auf. Der kleine Hoffnungsschimmer, dass Jarod sie hier schon rausholen würde, half ihr sich diesem Tag zu stellen.
 

Sydney wusste sofort, dass er nicht allein in seinem Gewächshaus war. Er blickte sich um und sah die Gestalt einer jungen Frau, die gerade an einer Blüte roch. Sie kam ihm vertraut vor, doch auch vollkommen unbekannt. Als sie sich umdrehte wusste er, wen er vor sich hatte, doch der Ausdruck in ihren Augen ließ ihn innehalten. Er hatte schon lange nicht mehr so einen tiefen Schmerz und Einsamkeit in dem Blick eines Menschen gesehen. „Hallo Sydney“, sagte Louisa leise und starrte ihn an. „Louisa“, brachte Sydney nur hervor, dann war er auch schon bei ihr und zog sie in seine Arme. Er spürte wie sie zu zittern anfing und fühlte die Feuchtigkeit ihrer Tränen an seinem Hals.
Nach einer Weile zog sie sich wieder von ihm zurück und wischte sich betreten übers Gesicht. Sydney reichte Louisa sein Taschentuch und nachdem sie sich die Nase geputzt hatte, schenkte sie ihm ein schwaches Lächeln. „War ein wenig viel in letzter Zeit“, murmelte sie und setzte sich auf einen Stuhl. „Schön hast du es hier“, sagte sie nach einem Moment der Stille, als er sich zu ihr gesetzt hatte. Er zuckte mit den Schultern und sah sie weiterhin aufmerksam an. „Wieso bist du hier?“ fragte Sydney leise und Louisa sah aus als hätte sie einen Schlag bekommen.
 Sie stand auf und wandte sich von ihm ab, bevor sie mit den Schultern zuckte. „Ein Leben für ein anderes“, murmelte sie dann so leise, als wäre es nur für sie bestimmt. „Wir hätten es nicht alle geschafft“, fuhr sie etwas lauter fort und strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Mir ist es lieber, dass Zach in Sicherheit ist und ich hier drin stecke, als umgekehrt.“ „Zach ist dein Sohn?“ Mit einem verträumt, strahlenden Blick sah Louisa ihn über ihre Schulter an. „Das ist er.“ Plötzlich ernst geworden ging sie vor Sydney in die Hocke und griff nach seinen Händen. „Bitte lass nicht zu, dass Lyle oder Raines mich in die Hände bekommen, Sydney. Ich bitte dich.“ Ihr standen wieder Tränen in den Augen und der flehende Ausdruck in ihren Augen ließ Sydney nicht los.
„Ich versuche mein Bestes, aber ich weiß nicht ob es funktioniert. Wenn das Triumvirat andere Befehle erteilt muss ich mich ihnen beugen“, sagte er und fühlte sich schlecht dabei. Louisa strich ihm sanft über die Wange und lächelte ihn an. „Dein Versuch ist immer noch mehr wert, als alles was andere Leute hier im Centre tun würden“, meinte sie sanft und seufzte leise, als ihr Magen knurrte. „Gibt es hier irgendwas zu Essen, das auch essbar ist?“ fragte sie und entlockte Sydney damit ein Lachen. Zusammen verließen sie den Raum. Zwei alte Freunde, die sich nach langer Zeit endlich wieder getroffen hatten.  

Everglades,

In der Nähe von Miami, Florida  

„Es ist schön hier“, meinte Isabelle mit Zeichen zu George und drückte seine Hand, die auf ihrem Knie lag. „Ja, das ist es“, antwortete er und sah auf den Kanal hinaus. Das Haus lag etwas außerhalb von Miami, fast schon in den Everglades, und bot ihnen genügend Schutz vor möglichen Verfolgern. Auf dem Weg dorthin hatten sie mehrmals den Wagen gewechselt und auch ihre Sachen waren über verschlungene Wege hierher gelangt. Jarod hatte alles sehr gut geplant gehabt und George war sich sicher, dass ihnen niemand gefolgt war.
Er stand auf und griff nach dem Gewehr, als ein Geräusch auf dem Kanal ertönte. Isabelle schob sich hinter ihren Mann und sie warteten beide ab, wer sich auf diesen einsamen Seitenkanal verirrt hatte. Ein Boot kam in Sicht und sie atmeten auf, als sie Jarod erkannten. Zach sauste wie ein Blitz auf sie zu und Isabelle und George nahmen ihn unter Tränen in den Arm. George blickte sich suchend nach Louisa um, doch als er Jarods Blick begegnete, schüttelte dieser nur den Kopf. Louisa war nicht hier. Sie hatte es nicht geschafft.
Georges Beine wurden weich und er musste sich setzten und auch Isabelle blickte sich nun suchend nach Louisa um. Sie setzte sich neben ihren Mann und zog Zach auf ihren Schoß. Jarod lehnte sich an das Verandageländer und ließ ein wenig die Schultern hängen. „Wo ist sie?“ brachte Isabelle mit zitternden Händen hervor und sah Jarod direkt in die Augen. „Die Sweeper haben sie mitgenommen“, antwortete er ihr wahrheitsgemäß, weil er sie nicht anlügen konnte. „Sie hat uns damit die Flucht ermöglicht. Louisa wollte nicht, das Zach ihnen wieder in die Hände fällt.“
  
„Mummy kommt ganz bestimmt wieder“, sagte Zach da, „sie hat es mir doch versprochen.“ Jarod kniete sich vor ihn hin und strich ihm über den Kopf. „Ich werde sie dir wieder bringen“, versprach er und Zach sah ihn dabei ernst an. „Können wir dann eine Familie werden?“ fragte er unschuldig. „Ja, das können wir.“
 

The Centre,

Blue Cove, Delaware
 

Louisa starrte nachdenklich aus dem Fenster. Sie hatte zusammen mit Sydney gegessen und sie hatten sich über alte Zeiten unterhalten, doch das ließ ihre Laune nur für einen kurzen Moment steigen. Es hatte sich nicht sehr viel im Centre geändert seit sie das letzte Mal dort gewesen war. Die Einrichtung war besser geworden, dass musste sie zugeben, aber an den Leuten und den Sitten hatte sich nicht sehr viel geändert.

Sie war froh, dass sie Lyle noch nicht über den Weg gelaufen war, doch sie machte sich nicht vor, dass sie ihn nicht sehen würde. In ihr brodelte immer noch die Wut hoch, wenn sie an ihn dachte, an das was er ihr angetan hatte. Sie wusste, dass sie nicht die Macht hatte es mit ihm aufzunehmen, es ihm irgendwann heimzuzahlen, doch sie würde es versuchen, wenn sie die Gelegenheit dafür bekam.

Trauer überkam sie, als sie an ihren Sohn und an Jarod dachte. Louisa war nie sehr gläubig gewesen, doch jetzt wünschte sie sich, sie wäre es. Vielleicht würde ihr ein starker Glaube über die Zeit der Trennung hinweghelfen, wie lange sie auch dauern mochte. Eigentlich hatte sie noch nie zu Melancholie geneigt, hier jedoch war sie fast versucht sich in ihren eigenen Gedanken zu verstecken und nicht mehr daraus hervorzukommen. Sie schüttelte den Kopf um diesen Gedanken los zu werden.

Selbst in der Klinik war mehr los gewesen als hier und dort hatte sie immerhin Freunde gehabt, was hier nicht sehr wahrscheinlich war. Sydney war zwar ein Freund, doch wenn er seine Befehle hatte, hatte er nicht viel Spielraum irgendetwas zu machen. Louisa war sich nicht einmal mehr sicher, ob Miss Parker sie noch erkannt hatte. Es war schon lange her, seitdem sie sich das letzte Mal gesehen hatten und sie kannte sie auch ansonsten nicht sehr gut.

Das Wetter hatte sich anscheinend ihrer Laune angepasst und präsentierte sich jetzt grau und verhangen. Das Herumsitzen und die Tatenlosigkeit machten sie wahnsinnig. Wenn sie zermürbt werden sollte, dann gelang das hervorragend. Louisa wusste nicht was sie mit ihren Händen anfangen sollte, was sie überhaupt anfangen sollte. Sie stand auf, da ihr vom langen Sitzen die Füße und Beine eingeschlafen waren und ihr Rücken knackte hörbar, als sie sich streckte.

Das Geräusch von einem Schlüssel im Schloss ließ sie aufhorchen, doch sie drehte sich nicht herum. Es war ihr egal, wer ihr Zimmer betrat, auch wenn es Lyle war. Sollte er doch kommen und was auch immer mit ihr machen, im Moment wäre es ihr vollkommen egal, sie brauchte nur etwas Abwechselung. Auch wenn diese Abwechslung eine weitere Simulation wäre, die sie überhaupt nicht vermisst hatte. Louisa versteifte sich etwas, als sie Miss Parkers Stimme hörte, die den Wachen vor ihrer Tür irgendetwas befahl. Sie musste sich dazu zwingen sich wieder zu entspannen und weiter unbeteiligt aus dem Fenster zu sehen, wobei sie genau auf die Schritte der anderen Frau hörte.

Die Tür schloss sich hinter Miss Parker und sie trat noch einige Schritte weiter in den Raum hinein, bevor sie wieder stehen blieb. Schweigend starrte sie Louisas Rücken an und diese konnte die Blicke auf ihrer Haut spüren. Louisa brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass Miss Parker die Stirn gerunzelt hatte und angestrengt nachdachte. Das brachte ein Lächeln auf ihre Lippen und sie fühlte sich auf einmal besser. „Sie brauchen ihre Waffe hier nicht“, durchbrach Louisa die Stille und drehte sich zu der anderen Frau um. „Ich glaube nicht, dass ich gegen sie ankommen würde.“ Immer noch mit einem leisen Lächeln auf den Lippen ließ sie sich auf einem Stuhl nieder und deutete Miss Parker an sich ebenfalls zu setzen. Diese hatte immer noch nichts gesagt, was Louisas Erinnerungen nach ziemlich selten vorkam.

„Ich hatte in letzter Zeit nicht wirklich Lust auf Kampftraining“, meinte Louisa nun spöttisch und sah fast schon erleichtert ein zorniges Funkeln in Miss Parkers Augen. Diese setzte sich jetzt auf einen Stuhl und fingerte nervös an ihrer Zigarettenpackung herum. „Ich dachte sie hätten damit längst wieder aufgehört?“ fragte Louisa leise und blickte die Frau ihr gegenüber an. „Hab ich auch“, entgegnete Miss Parker barsch und steckte die Packung wieder weg. Parker wusste nicht, wie sie mit der vollkommen Fremden vor ihr umgehen sollte, die sie früher einmal gekannt hatte. „Es ist lange her“, meinte Louisa, um die Stille zu durchbrechen, die langsam unangenehm wurde. „Das ist es“, sagte Miss Parker nur und musterte Louisa unverholen.
„Ich hatte eigentlich nicht vor ihre Gastfreundschaft länger in Anspruch zu nehmen, aber mir bleibt wohl nichts anderes übrig“, erklärte Louisa sarkastisch, was ihrer Musterung einen Abbruch bescherte. „Dann sag mir wo Jarod ist und wir lassen dich wieder gehen.“ Louisa konnte nur abfällig schnauben und mit dem Kopf schütteln. „Sie glauben doch selbst nicht, dass das Centre mich je in Ruhe lassen würde. Die Menschen, die sie einmal in ihren Klauen haben, lassen sie nie wieder los und ich werde ihnen Jarod ganz bestimmt nicht ausliefern.“ Miss Parker schien im ersten Moment von der Antwort erstaunt zu sein, nickte dann aber nur und stand auf, um zu gehen. „Wollen sie ihn überhaupt fangen?“ fragte Louisa leise, als Miss Parker schon fast aus der Tür war. Sie zögerte kurz, verließ dann aber doch den Raum. Louisa legte sich auf ihr Bett und überlegte, ob Parker sie überhaupt gehört hatte.  

Everglades,
In der Nähe von Miami, Florida
 

„Schon
  irgendwas gefunden?“ fragte George, der hinter Jarod getreten war. Jarod blickte von seinem Computer auf. „Ich weiß, dass sie im Centre ist, aber ich weiß nicht genau wo und es wird ziemlich schwer sein sie da raus zu holen.“ George sah ein wenig entmutigt aus, doch er drückte Jarod dankbar die Schulter.
„Sie würden sie sicher frei lassen, wenn sie mich im Gegenzug bekommen könnten“, meinte Jarod, doch George schüttelte den Kopf. „Louisa würde es nie zulassen, dass du für sie zurückgehst. Ich kenne dich nicht sehr gut, aber ich weiß, dass du Louisa etwas bedeutest und das würde sie nicht zulassen.“ George schüttelte noch einmal den Kopf und verließ dann wortlos das Zimmer. Jarod spürte Dankbarkeit in sich aufsteigen und er würde alles versuchen, um Louisa zu befreien.
Er tippte eine Nummer auf seinem Handy ein und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, während er dem Freizeichen lauschte. „Sydney“, meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung und Jarod kam gleich zur Sache. „Geht es ihr gut?“ „Sie haben ihr nichts angetan, Jarod“, antwortete Sydney und Jarod atmete erleichtert aus. „Ich weiß nicht was ich für Louisa tun kann, aber ich werde alles versuchen.“ „Danke“, erwiderte Jarod nur und legte dann auf. Er wusste nicht, wie lange Louisa durchhalten würde und wie lange sie ihr und sein Kind beschützen konnte. Ein Klumpen bildete sich in seinem Magen und er wandte sich wieder seinem Computer zu, um einen Befreiungsplan zu entwerfen. Er hatte das dumpfe Gefühl nicht mehr aus dem Centre raus zu kommen, wenn er einmal drin war.  

The Centre,

Blue Cove, Delaware
 

Louisa atmete tief die frische Luft ein und konnte ihr Glück kaum fassen. Sydney hatte erwirkt, dass man sie nach draußen ließ und jetzt lief sie mit ihm an ihrer Seite an dem kleinen Sandstrand vorm Centre entlang. Sie blieb mit geschlossenen Augen stehen und drehte ihr Gesicht in den Wind. Es fühlte sich gut an wieder den Wind auf dem Gesicht zu spüren, nachdem sie eine Woche in ihrem Zimmer bleiben musste. Mr. Lyle war ihr noch nicht über den Weg gelaufen, aber Miss Parker war noch mehrere Male erschienen und hatte sie wegen Jarod befragt. Louisa hatte ihr jedoch nichts sagen können, da sie selbst auch nicht wusste, wo Jarod und ihr Sohn waren.
Sie spürte, wie ihr die Tränen hinter den geschlossenen Lidern hochstiegen und drängte sie mit Gewalt zurück. Zach vermisste sie hier am meisten, aber auch um das neue Leben in ihr hatte sie Angst. Bisher war sie von Simulationen verschont geblieben, doch sie hatte das ungute Gefühl, dass das nicht mehr lange so bleiben würde.
Louisa öffnete ihre Augen und lächelte, als sie eine Hand auf ihrem Arm spürte. „Tut mir leid, ich war in Gedanken“, sagte sie und drehte sich zu Sydney um. „Danke, dass du mich wenigstens für einen Moment raus geholt hast.“ Sydney winkte nur ab und sie gingen weiter. „Jarod hat dich darum gebeten nicht wahr?“ fragte Louisa leise, um nicht die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich zu lenken. Sydney blickte sie erstaunt an, nickte dann jedoch. „Er macht sich Sorgen um dich“, erwiderte er und Louisa konnte die leise Frage hinter seinen Worten hören, ging jedoch nicht darauf ein. So sehr sie Sydney auch mochte, manche Dinge konnte sie selbst ihm nicht erzählen.
Nach einem schnellen Blick über ihre Schulter zu den Wachen zog Louisa ihre Schuhe aus und watete ein Stück ins Wasser hinein. Die beiden Männer wollten sie schon ergreifen, doch Sydney hielt sie zurück. Mit einem Blitzen in den Augen sah sie sich zu Sydney um. Der nickte ihr lächelnd zu und warf einen besorgten Blick auf das Centre. Irgendwas lag in der Luft, das nichts Gutes für Louisa zu bedeuten schien.
 

Louisa wälzte sich ruhelos in ihrem Bett hin und her. Nach dem Ausflug hatte sich eine innere Unruhe in ihr ausgebreitet, die sie sich nicht erklären konnte. Seufzend schlug sie die Augen auf und blickte aus dem Fenster auf den Vollmond. Ganz in diesen Anblick versunken, schreckte Louisa plötzlich hoch, als sie die Gegenwart einer Person in ihrem Zimmer bemerkte. Sie blinzelte in die Dunkelheit, um die Person besser zu erkennen, doch es ging nichts feindliches von ihr aus. Langsam entspannte sie sich und eine Ahnung stieg ihn ihr hoch, wer da vor ihr stand.
 
Der Mann trat langsam in das Licht des Fensters und Erkennen stieg in ihr hoch. „Angelo?“ fragte Louisa leise und der Mann trat näher an ihr Bett heran. Sie setzte sich auf die Bettkante, griff nach seiner Hand und zog ihn zu sich hinunter, um sein Gesicht besser sehen zu können. Langsam strich sie über sein Gesicht, wie um sich sicher zu sein, dass er es wirklich war und kein Geist vor ihr stand. Ein schneller Blick zur geschlossenen Tür überzeugte sie ebenfalls von seiner Echtheit.
„Hallo“, murmelte sie und hielt noch immer seine Hand fest. Kaum konnte sie glauben ein bekanntes Gesicht aus ihrer Vergangenheit zu entdecken. Er lächelte sie an, sagte jedoch nichts und saß einfach nur ruhig neben ihr. Dann steckte er die Hand in seine Tasche und gab ihr einen Brief. „Von Jarod“, brachte Angelo hervor und verstummte dann wieder. Erstaunt blickte Louisa auf den Brief in ihrer Hand, riss ihn dann aber mit einer schnellen Bewegung auf und holte das Papier aus dem Umschlag.
Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie Jarods Handschrift erkannte. Er schrieb, dass er wahrscheinlich einen Weg gefunden habe sie wieder nach Hause zu holen. Louisa schloss für einen Moment die Augen und ließ sich von dem Gefühl durchströmen, dass ihr dieser Brief verlieh. Als sie die Augen wieder aufschlug, entdeckte sie die kleine Zeichnung am Ende des kurzen Briefes und presste die Hand vor den Mund, um nicht laut aufzuschluchzen. Ihr Herz zog sich vor Sehnsucht nach ihrem Sohn zusammen, als sie den Marienkäfer betrachtete, den er so gerne malte.

Angelo legte vorsichtig den Arm um ihre Schultern und sie verbarg ihr Gesicht an seiner Brust, konnte die Tränen nicht mehr länger zurück halten. Nach ein paar Minuten hatte sie sich wieder beruhigt und wischte sich mit der Hand die Tränen aus dem Gesicht. „Danke. Ich danke dir so sehr Angelo“, seufzte sie und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Mit verträumtem Blick fuhr Angelo mit der Hand über diese Stelle. „Muss gehen“, sagte er dann nach einer Weile und stand vom Bett auf. Louisa erhob sich ebenfalls, mit einer Hand immer noch den Brief an ihre Brust drückend. „Ich danke dir mein Freund“, sagte sie leise und drückte seine Hand. „Freunde“, murmelte Angelo und drückte sie kurz an sich. Dann verschwand er ohne ein weiteres Wort durch die Tür und schloss diese leise hinter sich. Louisa drückte immer noch den Brief von Jarod und ihrem Sohn an sich, als sie sich aufs Bett setzte. Sie gab sich nicht der Illusion hin, dass es einfach werden würde aus dem Centre zu verschwinden, doch Jarod ahnte nicht, wie viel Kraft und neue Hoffnung er ihr mit diesem Brief gegeben hatte. Sie steckte den Brief in ihre Kleidung, legte sich hin und schlief schon bald ein, obwohl ihre innere Unruhe immer noch nicht ganz verschwunden war.
   

Everglades,

In der Nähe von Miami, Florida  

Jarod schreckte aus seinen Gedanken auf, als er merkte, dass ihn jemand ansah. Er lächelte, als er Zach an der Tür sah und winkte ihn näher. Dass er einen Sohn hatte konnte er immer noch nicht wirklich glauben. „Geht es Mummy gut?“ fragte er bedrückt, als er sich neben Jarod auf das Sofa setzte. Jarod legte den Arm um den Jungen und drückte ihn an sich. „Ich bin sicher, dass es ihr gut geht. Ein paar Freunde von mir passen sicher gut auf sie auf.“ Er hörte selbst, dass er sich nicht so sicher anhörte, wie er eigentlich sein sollte, doch langsam nahm ein Plan in seinem Kopf Gestalt an, mit dem er Louisa aus dem Centre holen konnte. Es war ziemlich gefährlich, aber er war sicher es schaffen zu können.

„Wie ist die Schule hier?“ fragte er dann, um den Jungen auf andere Gedanken zu bringen. Zachs Gesicht erhellte sich und er redete mit großer Begeisterung über seine neuen Lehrer, was er schon alles gelernt hatte und auch über die neuen Freunde, die er gefunden hatte. Jarod hörte ihm lächelnd zu und wünschte sich, er hätte ebenfalls eine so glückliche Kindheit gehabt, die er mit seinen Eltern hätte verbringen können. Manchmal beneidete er Kinder darum, wie sie ihre eigenen Erfahrungen machten und das Leben mit so anderen Augen sahen, als die Erwachsenen. Er hatte viel zu schnell erwachsen werden müssen und um Zach dies zu ersparen, war er wild entschlossen Louisa wieder zurück zuholen.
 

The Centre,

Blue Cove, Delaware
 

Louisa wich erschrocken zum Fenster zurück, aber die so genannten Pfleger kamen immer näher und sie hatte keinen Platz mehr zum ausweichen. Jetzt wusste sie, dass sie sich immer noch auf ihr Gefühl verlassen konnte und dass sie besser auf ihre innere Unruhe gehört hätte. Mit angstgeweiteten Augen sah sie den Männern entgegen. Sie griffen nach ihr, aber Louisa wehrte sich mit Händen und Füßen, doch sie war nicht in der Lage sich gegen die beiden kräftigen Männer zu widersetzen.

Die Männer schleppten sie aus dem Zimmer und zogen sie mit sich den Flur entlang. Louisa entdeckte Broots, als sie durch einen Korridor zum Fahrstuhl gezogen wurde und rief verzweifelt seinen Namen. Er sah sie ein wenig verängstigt an, drehte sich dann jedoch um und verschwand. Sie betete zum Himmel, dass er Miss Parker informieren würde und sie ihr irgendwie helfen würde. Miss Parker war sicher nicht für ihre Verschleppung verantwortlich, sie wäre selbst dabei gewesen, wenn man Louisa irgendwo hingebracht hätte.

Die Türen des Fahrstuhls schlossen sich vor ihren Augen und sie war mit den beiden Männern allein. Die Beiden lösten den Griff um ihre Oberarme etwas, hielten sie aber immer noch fest. Sie hatten nicht auf Louisas Fragen geantwortet, wo sie sie hinbringen würden, doch sie sah einen Schimmer in ihren Augen, der sie an Mitleid erinnerte. Louisa erschauerte leicht, als sie an die teilnahmslosen Blicke der Menschen dachte, an denen sie vorbei geschleift worden war. Von ihnen hatte sie keine Hilfe zu erwarten.

Der Fahrstuhl bewegte sich weiter nach unten und Louisa kam es so vor, als würde es endlos dauern bis die Fahrstuhltüren sich wieder öffneten. Hinter den Türen öffnete sich ein spärlich beleuchteter Korridor, durch den die Männer sie mitzogen. Sie kamen zu einer Tür hinter der Licht brannte. Louisa konnte Schatten hinter der Scheibe erkennen und die Tür öffnete sich vor ihr. Hasserfüllt erkannte sie wer nun in dem Licht vor ihr stand und sie konnte nicht verhindern, dass ein Knurren ihrer Kehle entwich. „Immer noch die widerspenstige, kleine Wildkatze von früher“, sagte Mr. Lyle und strich ihr übers Kinn. Louisa verkrampfte sich und irgendetwas hinderte sie daran ihm zu antworten. Sie konnte sich gerade noch zurückhalten ihm ins Gesicht zu spucken.

„Bringt sie rein“, meinte er zu den beiden Männern und sie zerrten sie in den hell erleuchteten Raum hinein. Louisas gesamter Körper verkrampfte sich, als sie sah, was sich in diesem Raum befand. Sie hatten die Folterbank aufgestellt, wie Louisa den Stuhl bei sich nannte, auf den sie sie immer für die Simulationen schnallten. Mit aller Machte versuchte sie sich zu wehren, doch die Männer ließen nicht locker. Lyle ließ ein tiefes Lachen hören, als sie einem der Männer in seine Weichteile trat und nun endlich einen Arm frei bekam, da er sich nach Luft schnappend vorbeugte. Mit der freien Hand verpasste sie dem anderen einen Schlag auf die Nase und sie konnte das Knacken hören, als ihre Faust mit seiner Nase kollidierte.

Fluchend hielt sie sich die schmerzende Hand und sah sich nach einem Ausweg um, doch es gab keinen. Lyle hatte die Tür hinter ihr geschlossen und stand nun mit verschränkten Armen davor. Seine beiden Muskelpakete hielten sich keuchend den Unterleib oder fummelten an ihrer Nase herum, doch er stand einfach nur seelenruhig daneben und beobachtete Louisa, die inzwischen wie ein gefangenes Tier aussah. „Endlich habe ich meine kleine Wildkatze wieder“, meinte er spöttisch und stieß sich von der Tür ab. Louisa bewegte sich so weit wie möglich von ihm weg und ließ ihre Augen nicht von ihm. Es schoss ihr durch den Kopf, dass sie mittlerweile mehr als ein Leben beschützen musste.
Lyle griff neben sich auf einen rollbaren Instrumentenwagen und nahm eine Spritze in seine Hand. Louisa schüttelte den Kopf und entfernte sich noch weiter von ihm, stieß jedoch schon nach kurzer Zeit gegen eine kalte, geflieste Wand. „Nein, diesmal werden sie mich nicht für ihre kleinen Spielchen benutzen“, zischte sie, doch er kam nur lächelnd näher. Er hatte schon den Arm erhoben, um ihr die Spritze in den Körper zu stechen, als plötzlich Angelo vor ihr stand. Wie in Zeitlupe sah sie, wie sich Lyles Arm senkte und die Spritze mit dem Medikament nicht in ihrem, sondern in Angelos Arm landete. Louisa wollte ihn noch zur Seite ziehen, doch es war schon zu spät. Sie fing ihn auf, als er zusammensackte und ließ ihn vorsichtig auf den Boden gleiten. „Angelo!“  

„Was ist hier los?“ Louisa blickte auf und sah Miss Parker in der Tür stehen. Sie hatte ihre Waffe gezogen, richtete sie jedoch auf den Boden. „Ich will wissen was hier los ist?“ fragte sie noch einmal und blickte mit zusammengekniffenen Augen zu Lyle hinüber. „Ich brauche sie und habe auch die Erlaubnis“, meinte Lyle, deutete auf Louisa und holte einen Zettel aus seiner Jacke. Miss Parker riss ihm den Zettel aus der Hand, warf einen kurzen Blick darauf  und steckte ihn dann ein. Lyle wollte protestieren, doch Parker richtete die Waffe auf ihn und gab ihm mit einer Bewegung zu verstehen, dass er verschwinden sollte. „Sie gehört mir“, setzte sie noch hinzu, als Lyle immer noch nicht verschwand. Mit einem wütenden Funkeln zu Louisa sammelte er seine Männer ein und verließ den Raum.
Louisa hatte das Geschehen nicht weiter beachtet, sondern Angelo im Auge behalten. Sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren, doch er bewegte sich nicht, blinzelte noch nicht einmal. „Was ist mit ihm?“ Miss Parker hatte ihre Waffe eingesteckt und hockte sich jetzt neben Angelo und Louisa. Ein Hauch von Besorgnis lag auf ihrem Gesicht. Louisa konnte Broots im Türrahmen sehen, der unwohl von einem Fuß auf den anderen trat. Sie nahm sich zusammen und schluckte ihre Angst um ihren Freund hinunter, um Miss Parker antworten zu können. „Sie müssen Sydney holen, ich weiß nicht wie sich diese Zeug auf ihn auswirkt.“ Parker nickte Broots zu und der verschwand erleichtert, um Sydney zu suchen.
„Sehen sie dort irgendwo Kortison“, fragte Louisa und spähte auf den rollbaren Instrumentenwagen, während sie leicht über Angelos Kopf strich. Miss Parker stand auf und trat an den Wagen heran. Als sie das Gewünschte nicht fand, fing sie an in den Schränken des Raumes zu wühlen. Louisa senkte ihren Blick wieder auf Angelos Gesicht und war erstaunt über den klaren Ausdruck in seinen Augen. Er bewegte die Lippen und sie beugte sich weiter zu ihm hinunter, um ihn besser zu verstehen. „Alles wird gut“, murmelte er an ihrem Ohr und klang jetzt wieder so, wie sie ihn noch von früher kannte. Tränen traten ihr in die Augen und sie musste Schlucken, um den Kloß in der Kehle loszuwerden. „Deinem Baby wird nichts passieren und Jarod holt dich bald hier raus.“ Louisa presste ihn an sich und konnte sich nur noch leise bei ihm bedanken, bevor er wieder bewegungslos wurde. Dieser eine Augenblick war Angelos größtes Geschenk an sie, denn er würde wahrscheinlich nie mehr ein normaler Mensch sein.
Parker hörte auf in den Schränken zu kramen und kam mit einer Spritze und einem Fläschchen Kortison zu Louisa zurück. Diese zog vorsichtig die Spritze auf und stach sie Angelo dann in den Oberschenkel. Innerhalb von Minuten kam wieder Bewegung in ihn und er wurde von Krämpfen geschüttelt. Louisa hielt ihn so gut sie es konnte fest und Miss Parker wich ein wenig zurück, um nicht von den zuckenden Gliedmaßen getroffen zu werden. Langsam wurden die Krämpfe schwächer und Louisa konnte sehen, wie das Leben in Angelos Augen wiederkehrte. Sie drückte ihn immer noch fest an sich, als Sydney gefolgt von Broots durch die Tür gestürmt kam. Er ließ sich auf Angelos anderer Seite nieder und überprüfte seine Vitalwerte.
„Er wird schon wieder“, meinte er ermutigend und half Angelo auf die Beine. Louisa streckte ihre tauben Beine und stand dann ebenfalls auf. Sie drückte Angelo noch einen Kuss auf die Stirn, bevor Sydney ihn aus dem Zimmer führte. Louisa hatte ein kurzes Aufblitzen von Dankbarkeit in Angelos Augen gesehen und hoffte, dass er einen Teil seiner Menschlichkeit wieder gefunden hatte. Sie folgte Miss Parker in die andere Richtung zum Fahrstuhl und ließ sich von ihr ohne Widerstand zurück in ihr Zimmer bringen.  

Louisa hatte auf dem ganzen Weg kein einziges Wort gesprochen und tat es auch jetzt nicht, als sie mit verschränkten Armen, durch die Tür und an das Fenster trat. Sie drehte sich nicht zu Parker um, die immer noch zögernd in der Tür stand.
„Wer ist Angel?“ fragte Parker und konnte sehen, wie Louisa eine Gänsehaut über den Rücken lief. Sie blickte weiterhin zum Fenster und weigerte sich Parker anzusehen, doch diese trat weiter ins Zimmer hinein und schloss die Tür hinter sich. Parker hielt den Zettel, den sie Lyle abgenommen hatte, vor Louisas Gesicht. Ein neuerlicher Schauer überlief Louisa, als sie einen Blick auf das Blatt warf. Ihre Gesichtsfarbe wich einem dumpfen Grauton und sie streckte eine Hand aus, um sich am Fensterrahmen festzuklammern. „Oh Gott“, murmelte sie und presste sich eine Hand auf den Magen, die andere auf den Mund. Sie stürzte hinter den Vorhang und erbrach sich. Zitternd wischte sie sich den Mund ab und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser.
Miss Parker warf währenddessen einen genaueren Blick auf den Zettel und auch sie musste schlucken, als sie sah was darauf stand. Die Simulation, die Lyle beantragt hatte, ließ selbst ihr den Atem stocken. Louisa kam mit um den Körper geschlungenen Armen und Tränen in den Augen wieder hinter dem Vorhang hervor. „Er ist so ein Schwein“, zischte sie und setzte sich auf ihr Bett. „Wie kann er Kindern nur so etwas antun wollen.“ Parker setzte sich ebenfalls ein wenig erschüttert auf den einzigen Stuhl im Raum. „Wer ist Angel?“ fragte sie noch einmal und diesmal wich Louisa ihrem Blick nicht länger aus. Sie lächelte freudlos und zog die Stille nach der Frage noch ein wenig in die Länge.

„Ich bin Angel“, sagte Louisa dann leise und wich Parkers Blick aus. Sie wollte nicht wissen, was sie in diesem Moment in ihren Augen sehen würde. „Lyle hat mich unter Drogen setzen lassen, um für ihn Jarods Platz einzunehmen. Ich sollte Simulationen durchführen, mit denen er Sachen gemacht hat, die ich lieber nicht wissen will.“ Sie blickte jetzt doch zu Miss Parker hinüber und wusste nicht genau, was sie in ihren Augen sah. War es Mitleid oder etwas anderes? Doch dieser Blick dauerte nur einen Moment und danach verschloss sie sich wieder. „Ist es wie mit Angelo?“ fragte Parker dann, doch Louisa schüttelte nur den Kopf. „Nein, aber es ist furchtbar was sie ihm angetan haben. Ich kannte ihn noch als er ein richtiger kleiner Junge war und wir waren Freunde. Wir sind es immer noch.“ Louisa blinzelte und sah in die Ferne. „Es ist schwer für mich ihn so zu sehen. Angelo fühlt immer noch, er kann alles fühlen. Ich fühle nichts mehr, wenn sie mich mit den Medikamenten voll pumpen. Absolut nichts. Ich wusste noch nie warum sie mir diesen Codenamen gegeben haben.“
Parker sah nun doch etwas erschüttert aus und ihre Hände zuckten, als ob sie Louisa berühren wollte, es dann aber doch nicht tat. Louisa richtete sich auf und blickte ihr fest in die Augen. „Ich will nie wieder Angel sein, ich will nie wieder diese vollkommene Leere in mir spüren müssen und ich will nie wieder eine Gefangene sein müssen. Nie wieder.“ Louisa stand auf und ging wieder zum Fenster. „Sie sind ihrer Mutter so ähnlich und doch ganz anders als sie“, sagte sie fast unhörbar, doch Miss Parker schoss von ihrem Stuhl hoch und packte Louisa am Arm. „Was weißt du über meine Mutter?“ zischte sie und schüttelte Louisa leicht. „Sie war eine gütige Frau, die ihre Kinder geliebt hat. Jedes Mal wenn ich sie gesehen habe, habe ich mir gewünscht, dass meine Mutter noch leben würde. Sie gab mir das Gefühl nicht allein zu sein in diesem furchtbaren Gebäude. Es tut mir leid, dass sie sie verloren haben.“
Parker ließ ihren Arm los und trat einen Schritt zurück. „Wieso sagst du mir nicht einfach wo Jarod ist?“ Louisa lächelte sie an und zog die Stille nach der Frage noch einige Minuten in die Länge. „Sie kennen meinen Kennnamen, also suchen sie meine Akte und finden sie die Antworten auf ihre Fragen. Vielleicht verstehen sie dann warum ich ihnen Jarod nicht ausliefern werde und auch nicht zulasse, dass er sich gegen mich austauschen lässt, warum ich ihm das nie antun würde.“ Sie blickte Parker noch eine Weile an, wandte sich dann aber von ihr ab. Miss Parker drehte sich um und schloss leise die Tür hinter sich.
         

Louisa schreckte hoch und sie wusste nicht ob sie ein Traum oder ein Geräusch im Zimmer geweckt hatte. Ihre Augen erfassten in der Dunkelheit jedoch schnell eine Gestalt und sie atmete auf, als sie Angelo erkannte. Er streckte ihr seine Hand entgegen und sie ergriff sie ohne zu zögern oder Fragen zu stellen. Zusammen schlichen sie auf den Gang hinaus und Louisas Herz begann schneller zu schlagen. Sie war sich sicher, dass Jarod ganz in der Nähe war und sie endlich aus diesem Irrenhaus rausholen würde.
Es schienen kaum Wachen auf den Gängen zu sein oder Angelo wusste einfach am Besten, wie man ihnen aus dem Weg ging. Sie gingen leise durch verschiedene Gänge und kamen in ein Treppenhaus. Anscheinend hatte Angelo es geschafft die internen Sensoren abzuschalten und so kamen sie ungesehen in die unteren Etagen. An einer Korridorkreuzung hielt er an und blickte von links nach rechts, als ob er nicht wüsste in welche Richtung er nun gehen sollte. Louisa wollte ihn gerade fragen was den los sei, doch Angelo hielt nur einen Finger an die Lippen und bedeutete ihr still zu sein. Sie pressten sich an die Wand und nun konnte auch Louisa Schritte hören.

Angelo entspannte sich jedoch schnell wieder und Louisas Herz setzte einen Schlag aus, als sie Jarods Schritt erkannte. Sie spähte um die Ecke und als sie niemand anderen sah huschte sie in den rechten Gang. Jarod fing sie auf und Louisa konnte ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Sie drückte sich an ihn, war einfach nur froh ihn wieder bei sich zu spüren. Er strich ihr über die Haare, sagte aber ebenfalls nichts und Louisa und Angelo folgten ihm weiter in das Labyrinth der Gänge unter dem Centre. Jarod drückte ihre Hand und Louisa erwiderte den Druck.

Louisa klammerte sich plötzlich an Jarods Hand und auch Angelo war hinter ihr stehen geblieben. „Jarod!“ Ein ängstlicher Ton schwang in Louisas Stimme mit. „Wir sind nicht mehr weit vom Ausgang entfernt“, flüsterte er ihr beruhigend zu und zog sie wieder weiter. Er öffnete eine Tür und Louisa konnte die frische Luft riechen, die ihr entgegen kam. Sie wandte sich zu Angelo um, umarmte ihn noch einmal und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Er verschwand lächelnd in den dämmrigen Gängen. „Gehen wir“, meinte Jarod und schlüpfte durch die Tür. Louisa wollte ihm gerade folgen, erstarrte aber, als sie das Klicken einer Waffe hinter sich hörte. Sie drehte sich halb um und sah Miss Parker hinter sich stehen. Louisa hielt es für ein gutes Zeichen, dass sie alleine gekommen war, obwohl sie nun in den Lauf ihrer Waffe sah. „Stehen bleiben“, zischte Parker und spannte ihren Finger um den Abzug. Louisa konnte Jarod hinter sich spüren, doch sie bedeutete ihm sich nicht zu rühren, sie wollte ihn einfach nicht in Gefahr bringen. „Du kommst jetzt mit. Na los.“ Parker machte eine Bewegung mit ihrer Pistole, doch Louisa rührte sich nicht. „Parker.“ Miss Parker versteifte sich bei diesem einen Wort, lockerte ihren Griff um die Waffe jedoch nicht. „Bitte Parker, lassen sie mich gehen. Bitte.“ Louisa blickte sie einfach nur an und Parker schloss kurz die Augen. „Geh“, sagte sie dann, aber Louisa blickte sie nur etwas verwundert an. „Geh schon und komm mir nicht mehr in die Quere.“ Den letzten Satz schrie sie fast und Louisa zuckte zusammen. Sie warf Parker einen dankbaren Blick zu und verschwand dann durch die Tür.
        

Drei Monate später

Everglades,

In der Nähe von Miami, Florida  

Louisa seufzte leise. Die schwüle Hitze machte ihr ein wenig zu schaffen, doch sie ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Zach spielte in der Nähe mit George und Isabelle saß auf der anderen Seite der Veranda und las ein Buch. Louisa strich leicht über ihren Bauch, der sich mittlerweile schon etwas gerundet hatte. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass Parker sie einfach hatte gehen lassen. Die Leute des Centres machten ihr immer noch Sorgen, doch sie war nicht mehr so angespannt, wenn sie zum einkaufen in die Stadt ging. Irgendwie glaubte sie auch, dass Parker sie sozusagen unter den Tisch hatte fallen lassen.
Sie sah auf, als Jarod zu ihr trat und sich dann neben sie setzte. Er lächelte sie an und legte dann eine Hand auf ihren Bauch. Louisa lehnte sich an ihn und konnte ein erneutes Seufzen nicht unterdrücken. Langsam richtete sie sich wieder auf und zog einen Zettel aus der Tasche. „Du solltest dir das ansehen“, meinte sie dann zu Jarod und gab ihm den Zettel. „Was ist das?“ fragte er und warf einen Blick auf den Zettel. „Eine Spur von deiner Mutter“, antwortete sie ihm auf die Frage und sie konnte den erstaunten Blick in seinen Augen sehen. „Ich weiß wie viel dir an der Suche nach deiner Familie liegt und ich will dir nicht im Weg sein, wenn du nach ihnen suchst.“ Jarod wollte etwas erwidern, doch sie legte ihm nur einen Finger auf die Lippen und schüttelte den Kopf.
„Ich bin hier und ich werde auch hier bleiben. Ich weiß doch wie es ist, wenn man seine Familie vermisst. Du musst einfach nach ihnen suchen.“ Jarod konnte nichts sagen und küsste sie sanft auf die Lippen. „Ich danke dir“, murmelte er und drückte sie an sich. Louisa lehnte sich wieder an ihn und schloss die Augen. Sie wusste, dass jetzt alles gut werden würde.        


Ende
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19 Nov : 13:44
Ich wünsche allen viel Spaß auf meiner Seite.
bullet roadnet
27 Sep : 23:55
Viel Spaß mit der neuen Homepage, wünscht das roadnet.de Team
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